Recotard

They've got a god in the basement you can use.

Wir sind nicht frei in der Entscheidung

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Landesbischof Frank Otfried July teilt mit:

“Ich wende mich entschieden gegen die Verklärung des Suizids als Freitod – das ist er nie. Wir sind nicht frei in der Entscheidung zu sterben.“ Deshalb sei es unser christlicher Auftrag, gerade Menschen in ihrer Schwachheit, Krankheit und Sterblichkeit ihre unantastbare Würde erfahren zu lassen. (glaubeaktuell.net)

Da wir nicht frei in der Entscheidung zu sterben sind, ist es unser christlicher Auftrag, den Menschen zu verbieten, sich zu sterben zu entscheiden. Auf diese Weise lassen wir sie in ihrer Sterblichkeit ihre unantastbare Würde erfahren, ob sie wollen oder nicht. Wer sich aber gegen die Verklärung des Sterbens als würdevoll wendet – da wir nun einmal nicht frei in der Entscheidung zu sterben sind – , dem hält sein katholischer Kollege Bischof Fürst entgegen:

„Eine einvernehmliche Tötung ist die Resignation vor der Aufgabe des Bestehens im Sterben.“

Denn wer aufgibt, der resigniert vor der Aufgabe des Bestehens im Vergehen. Gott hat eben ein Bündnis mit den Menschen geschlossen, und man weiß ja, wie das mit Bündnissen so geht: Da gibt es kein Safeword und keine freie Entscheidung. “Gott?” – “Ja, meine geile Sklavenschlampe?” – “Darf ich jetzt bitte sterben?” Zur Antwort erhält man einen Bischof irgendwo hineingerammt, dass der Atem wegbleibt und das Weihwasser in die Augen tritt. Jetzt, weiß man, ist es soweit: Endlich kann man es nicht mehr ertragen und alles ist aus. Doch da kommen die christlichen Auftragnehmer. Sie lächeln, sie halten unfinanzierbare medizinische Apparate hoch und sagen, sie kämen wegen der Würde. “Würde – ich würde lieber – ” röchelt man, doch schon erscheint Gott, betäubend nach Fusel riechend, im Türrahmen, in seiner Hand ein gefüllter Kelch. (…)

Written by recotard

17. April 2015 at 17:39

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Was Homosexuelle kennzeichnet

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Homosexuelle und Menschen sonstiger sog. sexueller Orientierungen kennzeichnet, daß sie die Intimitäten zwischen Mann und Frau parodieren. (Mathias von Gersdorff)

 

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17. April 2015 at 11:10

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88

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Joseph Ratzinger ist 88 Jahre alt geworden. Menschen, die ihn kennen, versichern, er sei ein liebenswürdiger, bescheidener Mensch, und ich zweifle keine Sekunde daran: Zu sehr ähneln sich die Reminiszenzen, und wer Katzen mag, kann ohnehin kein schlechter Mensch sein. Was wird von ihm bleiben? Ein Stapel Bücher, ein Gegenbild für jene, die den aktuellen Papst als Populisten verachten, vor allem aber die Tragik eines Menschen, der vielleicht alle guten Anlagen besaß, bis auf die eine: Der Welt ins Gesicht sehen zu können.

So floh er in die Theologie, und der Satan, den er das Gewebe der Welt durchwirken sah, konnte sich den teuflischen Jux erlauben, ihm Anhänger zuzutreiben, die nicht nur seine roten Schuhe ins Museum stellten, sondern ihn auch als “hochgradigen Intellektuellen” (Wolfgang Thierse), ja “einen der größten Denker unserer Zeit” (Annette Schavan) verehrten. Sein Biograph Peter Seewald meint ihn gar mit der Feststellung zu rühmen: “Der Papst löste in seinem Heimatland auf der Ranking-Liste Günter Grass als führenden Denker ab.” (Im aktualisierten Cicero-Listing ist Grass freilich wieder die Nr. 1 und Ratzinger liegt, weit hinter Alice Schwarzer, auf Platz 9.)

Dass Ratzingers kühner scholastischer Vorsatz, Glaube und Vernunft zu vereinen, zum Scheitern verurteilt sein musste, fällt freilich nur den Atheisten auf: Wer glauben will, dass, weil ein Wort existiert, ihm auch das Ding entsprechen muss, für das es steht (z.B.: “Naturrecht”), nimmt den Willen fürs Werk und ist dankbar für den Hauch einer Legitimation, der daraus erwächst, dass jemand, ohne rot zu werden, den Bundestag mit einem Zirkelschluss brüskiert wie Ratzinger in seinem Plädoyer für einen

“Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt.”

Somit wäre der Gegensatz von Glaube und Vernunft dadurch aufgehoben, dass die Vernunft auf Gott zurückgeführt wird. Die Lobpreisungen von Schavan, Thierse u.a. erscheinen vor dieser reductio in einem durchaus veränderten Licht, welches umso weniger geeignet ist, das Rätsel Ratzinger zu erhellen, bedenkt man, was er in seiner Predigt zum Entzug der missio canonica für Hans Küng sagte:

 “Der christliche Gläubige ist eine einfache Person. Aufgabe der Bischöfe ist es deshalb, den Glauben dieser kleinen Leute vor dem Einfluss von Intellektuellen zu bewahren.” (1979)

Von einem Intellektuellen überrascht – neben anderen – diese Aussage. Es wird vermutet, dass Ratzinger ein Schlüsselerlebnis durchmachte, als er, zuvor als liberal beschrieben, 1969 fluchtartig Tübingen verließ, weil die Studenten rabiat wurden:

“Ich habe das grausame Antlitz dieser atheistischen Frömmigkeit gesehen, den Psycho-Terror, die Hemmungslosigkeit, mit der man jede moralische Überlegung als bürgerlichen Rest preisgeben konnte, wo es um das ideologische Ziel ging,”  (swp.de)

schrieb er in seinen Erinnerungen, doch vielleicht erklärt sich sein Wort von der “Diktatur des Relativismus”, vielleicht erklären sich die Schwerpunkte seines Pontifikats insgesamt weniger aus einem konkreten Trauma als aus einem insgesamt furchtsamen Wesen. Man denke nicht, ich hätte den Satan zum Scherz erwähnt:

“Es war zu erwarten, dass dem bösen Feind dieses neue Leuchten des Priestertums nicht gefallen würde, das er lieber aussterben sehen möchte, damit letztlich Gott aus der Welt hinausgedrängt wird. So ist es geschehen, dass gerade in diesem Jahr der Freude über das Sakrament des Priestertums die Sünden von Priestern bekannt wurden – vor allem der Missbrauch der Kleinen, in dem das Priestertum als Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen in sein Gegenteil verkehrt wird.” (domradio.de)

Der Teufel war es nämlich, durch den die Missbrauchsfälle publik wurden, auf dass Gott aus der Welt hinausgedrängt werde. Da ist es verständlich, dass gegen das Böse konsequent durchgegriffen wurde:

“Benedikt XVI. hat viel für uns Exorzisten getan. Er hat uns erlaubt, nicht nur vom Teufel besessene Menschen, sondern auch Personen, die teuflische Störungen erdulden müssen, zu behandeln“, sagte Amorth, emeritierter Präsident des internationalen Exorzistenverbands. (orf.at)

Denn das Böse ist immer und überall:

“Es ist gut, dass Sie in Sachen Harry Potter aufklären, denn dies sind subtile Verführungen, die unmerklich und gerade dadurch tief wirken und das Christentum in der Seele zersetzen, ehe es überhaupt recht wachsen konnte.” (gabriele-kuby.de)

So erklärt sich Ratzingers Warnung vor der Hölle:

“Jesus ist gekommen, um uns zu sagen, dass er uns alle im Paradies haben will und dass die Hölle, von der man in unserer Zeit so wenig spricht, existiert und ewig ist für jene, die ihre Augen vor seiner Liebe verschließen.” (kath.net)

Vielleicht erklärt sich so auch seine prophetische Warnung vor der asiatischen Bedrohung:

 In 1997, Ratzinger riled Buddhists when he called the religion an “autoerotic spirituality” that seeks “transcendence without imposing concrete religious obligations.” He also suggested that Buddhism would replace Marxism as the church’s biggest foe by 2000. (natcath.org)

Erklären sich so auch andere Schwerpunkte seines Pontifikats, etwa die Ökologie?

“Die Kirche soll die Menschen auch vor der Selbstzerstörung schützen”, erklärte Papst Benedikt XVI. bei seinem traditionellen Jahresrückblick in Rom. Der 81-jährige Pontifex sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, dass es daher genau so wichtig sei, die Menschheit vor homo- und transsexuellen Verhalten zu schützen wie den Regenwald vor der Vernichtung zu bewahren. (bazonline.ch)

Aber das hier war wohl nur päpstliche Höflichkeit:

Pope Benedict XVI has given his blessing to Rebecca Kadaga, Speaker of the Ugandan Parliament, who has promised to pass the country’s notorious anti-gay “kill the gays” bill as a “Christmas gift” to the Ugandan people. (examiner.com)

Am besten charakterisiert den einfachen Arbeiter im Weinberg des Herrn indes vielleicht diese Episode aus dem Jahr 2005:

Lawyers for Pope Benedict XVI have asked US President George W. Bush to declare the pontiff immune from liability in a lawsuit that accuses him of conspiring to cover up the molestation of three boys by a seminarian in Texas, court records show. (Sydney Morning Herald)

Benedikt XVI. hat viel für uns Atheisten getan. Die schiere Anzahl der betretenen Fettnäpfchen lässt den Betrachter staunend verharren. Und doch bin ich davon überzeugt, dass er nichts von alledem böse gemeint hat: Dass er auch im Traum nicht daran dachte, durch ein historisches Zitat Muslime zu ärgern, dass die Medien seine Kondom-Stellungnahme verkürzt haben, dass er die lateinamerikanischen Ureinwohner mit der Behauptung, sie hätten unbewusst das Christentum herbeigesehnt, keineswegs verhöhnen wollte, dass keine revisionistischen Absichten hinter der These standen, die Nazis wollten durch die Judenvernichtung Gott töten, und dass er nie die Absicht hatte, Holocaust-Leugnern Legitimität zu schaffen oder Kindesmissbrauch herunterzuspielen. Was er tat, tat er reinen Herzens, und musste eben deshalb scheitern. Stets bemüht, in dieser unverständigen Welt die Anforderungen des archaischen Amts zu erfüllen, wie er sie sah, konnte er nicht anders als diese Welt gegen den Strich zu bürsten, bis man ihn selbst innerhalb der Kirche als Albdruck sah.

Was bleibt von Joseph Ratzinger? Es bleibt die Tragik eines Mannes, den sein tiefer Glaube dazu trieb, die Vernunft zu missbrauchen und die Menschen vor den Kopf zu stoßen, und den seine Anhänger doch als Repräsentanten eines Glaubens rühmten, der

“inhaltlich in der Lage ist, den Diskurs mit dieser Welt zu führen – für das gewinnnende Profil einer Kirche mit Tiefe und Weite.” (Franz-Peter Tebartz-van Elst)

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16. April 2015 at 06:56

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Warum die Theologie eine Wissenschaft ist

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Der Pressesprecher des Erzbistums Berlin verteidigt die Theologie als Wissenschaft:

Sie steht damit unter dem Anspruch, diskursfähig zu sein und verständlich zu machen, worum es ihr geht. Sie kommt nicht mehr durch mit dem Hinweis, es handle es sich um Angelegenheiten des Glaubens und damit letztlich um unergründliche Geheimnisse. Sie muss dem nachgehen, was schon Thomas von Aquin behauptet hat, nämlich dass der Glaube an die Existenz Gottes nicht vernunftwidrig ist, sich also Glaube und Vernunft nicht widersprechen. (…)
Umgekehrt heißt das aber auch für alle, die nicht glauben: Hört einfach damit auf, Menschen, die glauben für doof zu halten oder wenigstens für unvernünftig. Wir haben es nicht geschafft, Euch die Existenz Gottes zu beweisen, dann werdet Ihr es auch nicht schaffen, seine Nicht-Existenz zu beweisen!

Und falls noch jemand zweifeln sollte: Hier ist eine Katze, die ein Monokel trägt.

cat in top hat

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14. April 2015 at 21:06

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Wir verstehen zwar nichts, aber wohin sollen wir sonst gehen?

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Die Massen liefen Jesus nach, doch dann sprach er davon, dass er seinen Leib zu essen und sein Blut zu trinken gab. Das hat er keineswegs geschönt, sondern die Leute waren schockiert und sind weggelaufen. Jesus fragte die Apostel: Wollt ihr auch gehen? Aber Petrus antwortete: Nein Herr, wir haben dich zwar auch nicht verstanden, aber du hast Worte des ewigen Lebens und wohin sollen wir denn sonst gehen? Das muss die Reaktion der Menschen sein. (Robert Spaemann)

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10. April 2015 at 07:27

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Gott hat viele Namen

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Durchaus humoristisch stellt Dawkins fest, dass man auch einfach die Existenz eines fliegenden Spaghettimonsters behaupten könne, das sich dem Menschen in persönlichen Erfahrungen mitteile. Dawkins schlussfolgert, da es das behauptete Monster nicht gebe, existiere auch Gott nicht. Dabei übersieht er geflissentlich, dass „Spaghettimonster“ an dieser Stelle nur ein anderer Name für „Gott“ ist. (bibelbund.de)

Written by recotard

7. April 2015 at 10:05

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Die Unerträglichkeit der Gegenwart

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Bischof Heinz Josef Algermissen bringt das Elend auf den Punkt:

Kern der Osterbotschaft ist es nach den Worten des Bischofs, dass Menschen «ohne Zukunft, die über den eigenen Tod hinausreicht, nicht wirklich leben können». Ohne Hoffnung auf Zukunft werde die Gegenwart aber unerträglich.

Die Eier, die man zu Ostern sucht, sind den Gläubigen abhanden gekommen. Nun zelebrieren sie ihre Ohnmacht. Entblößt, mit schwärenden Wunden lässt ihr Gott sie zurück, auf dass ihre Augen sehend werden und sie noch im schreckensvollsten Leid erkennen, dass eben die Tränen, die sie darbringen, die einzige Gnade sind, und dass sie für den Schmerz, nach dem sie so sehr dürsten, nur mit noch mehr Schmerz bezahlen werden. Doch vergebens: Ihre Augen sind blind, ihre Münder lachen und ihre Herzen sind in Stanniolpapier geborgen. So leben sie fort und hoffen auf die Zukunft.

Written by recotard

5. April 2015 at 09:38

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