Recotard

They've got a god in the basement you can use.

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Auf dem Kongress christlicher Führungskräfte sprach u.a. der katholische Theologe, Psychiater und Bestsellerautor Manfred Lütz:

Die Wissenschaft sei ebenso eine Errungenschaft des Christentums wie die Abschaffung der Sklaverei. Die modernen Menschenrechte seien ohne christlich-jüdische Tradition undenkbar. Das Christentum habe auch das Mitleid mit den Schwachen erfunden. „Deshalb ist die Kirchengeschichte auch Heilsgeschichte“, so Lütz. Kritik übte er an der zunehmenden Wissenschaftsgläubigkeit der Gesellschaft. Immer mehr Menschen neigten dazu, nur zu glauben, was nachweisbar ist. „Doch Liebe, Gut und Böse sowie Gott kann man nicht messen“, erklärte Lütz. (…) Für gefährlich hält es Lütz, dass immer mehr Menschen in „Scheinwelten“ lebten. (idea.de)

 

Written by recotard

27. Februar 2015 at 17:33

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Wie die Adventszeit noch stressiger wird und was von kommerziellem Interesse geprägt ist

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Wie positioniert man sich zu dieser Meldung? Wo soll man anfangen, wie kann man seine Gefühle ausdrücken, wenn man sie liest?

Kirchenvertreter kritisieren die geplante Verlegung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar in die Vorweihnachtszeit. “Public Viewing auf dem Weihnachtsmarkt ist für mich kaum vorstellbar”, sagte der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki dem Kölner “Express” (Donnerstagsausgabe). Die Adventszeit werde durch die Verschiebung der Fußball-WM noch stressiger. (…) Oberkirchenrat Matthias Kreplin von der badischen evangelischen Landeskirche bezeichnete die mögliche Terminverschiebung als “Absurdität”. Die Verlegung in die Adventszeit passe weder zum Fußballjahr noch zum Kirchenjahr, erklärte Kreplin. Bereits die Vergabe nach Katar sei “unsinnig und vor allem von kommerziellem Interesse geprägt” gewesen. Der neue Termin würde neben der Kollision mit der Adventszeit in vielen Ländern auch dazu führen, dass die Vorbereitung und die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft in die “stille Zeit des Totengedenkens” Ende November falle. (evangelisch.de)

Man weiß nicht mehr, ob von Advent oder WM die Rede ist, wenn Worte wie “stressig”, “Vorfreude” oder “kommerzielles Interesse” fallen. Es gibt nicht nur ein Kirchen-, sondern auch ein Fußballjahr, das einzuhalten ist, und wiewohl doch ein Weihnachtsmarkt selbst ohne Public Viewing die Vorstellungskraft sensibler Menschen übersteigt und wiewohl das Totengedenken an die tausenden toten Bauarbeiter in Katar die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft weder Ende November noch sonst wann zu trüben imstande wäre, beklagt der Regen die Nässe der Traufe, die Trauben sagen dem Fuchs, sie wären sauer, und ein Napoleon wirft dem anderen Amtsanmaßung vor. Es hat aber noch niemand ernsthaft den Versuch unternommen, sich für eine gewisse Zeit probehalber einmal rational zu gebärden. Und doch: Wie viel schöner und erträglicher wäre die Welt, käme sie ohne periodische Phasen kommerziell diktierten Massenirrsinns aus. Versuchen wir es doch, machen wir den Anfang. Weg mit Katar, Schluss mit dem Advent! Share this if you want to end suffering!

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27. Februar 2015 at 11:21

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Die zentrale Botschaft der Kirchen in der Zukunft

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Da ich kein Freund lauter Töne bin – zumal, wenn ich dem Chor predige – , möchte ich an dieser Stelle kurz vermerken, dass mir Papst Franziskus und seine spontanen Stand-Up-Aussagen immer mehr Trost spenden. Gewiss, er ist immer noch katholisch, aber immerhin hat der Mann erkannt, dass ohnehin schon alles egal ist, folglich redet er, wie er lustig ist, pereat mundus sowieso. Und da ich überdies träge bin, ist es eine willkommene Erleichterung, wenn sich der Schwachsinn selbst entblößt und ich ihn nur zitieren muss. Und so kann ich mit stiller Freude mitteilen, dass pro, das christliche Medienmagazin am heutigen Sonntag komplett durchgeknallt ist:

Ohne Gott ist alles sinnlos. Das könnte die zentrale Botschaft der Kirchen in der Zukunft sein, stellt die Welt am Sonntag fest. Denn wenn Religion beliebig wählbar ist, wächst auch die Angst vor Fehlentscheidungen.

Zwar hat schon Gabriele Kuby verkündet, dass die Religion keine Frage selbständiger Entscheidung im moralisch-normativen Bereich ist, doch dass die schlimme Religionsfreiheit, die so viel Sinnlosigkeit über die Welt gebracht hat, mit einem Postkartenspruch bekämpft werden könnte, stellt eine durchaus willkommene Neuerung dar. Dass die IS nicht mitmachen dürfte, ist zu bedauern. Nicht zu bedauern ist hingegen, dass das christliche Medienmagazin nicht lesen kann und das “Ohne Gott ist alles sinnlos” aus eigener Verblendung in den welt.de-Artikel hineingelesen hat, in dem der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke nur meint:

“Am Ende muss es allein darum gehen”, sagt Jaschke, “dass Gott uns nicht egal ist. Denn ohne Gott, das weiß doch die angeblich ,gefallene’ Protestantin so gut wie der katholische Bischof und eigentlich auch die übergroße Zahl der Menschen: Ohne Gott ist alles fahl und im Letzten aussichtslos.”

Und dieser Erkenntnis will ich keinesfalls widersprechen.

Written by recotard

22. Februar 2015 at 15:37

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Was uns der Gesetzgeber aus christlicher Sicht verwehrt

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Im Fastenbrief des Paderborner Erzbischofs lese ich:

Autonomie darf in dieser Sicht nicht missverstanden werden als eine Art der Kompetenz zur Gesamtbewertung der eigenen Person und ihres Lebenswertes. Das soll aus christlicher Sicht dem Menschen aus guten Gründen entzogen bleiben und steht allein Gott zu! Er hat sein Urteil über einen jeden von uns schon vorab gefällt, das lautet: „Es ist sehr gut, dass du da bist!“ – Nichts anderes ist die Grundlage und der innere und letzte Sinn unseres Lebens. (Erzbischof Hans-Josef Becker)

Der Sinn des Lebens besteht somit darin, dass der selbe Gott, der über uns schon vorab urteilt, ehe es uns gibt, einerseits meint: “Es ist sehr gut, dass du da bist!”, und uns andererseits nach ein paar Jahrzehnten wegholt, was alles zwar irgendwie den inneren und letzten Sinn unseres Lebens darstellt, zugleich aber auch die geistige Bankrotterklärung des Erzbischofs, der das aber nicht bemerkt und stattdessen düster wird:

Die einseitige Betonung der Autonomie des Menschen und des Patienten geht dagegen so weit, ihn aus dem medizinischen Angebot gleichsam frei auswählen zu lassen. Der Arzt wäre dann nur noch Dienstleister.

Man denke! Freie Auswahl! Dienstleister! Wo kämen wir denn da hin?

Dies entspricht ausdrücklich nicht dem klassisch-europäischen Verständnis des Arztes, der angetreten ist zum Wohl und zum Heil des Patienten.

Notfalls eben gegen dessen Willen. Autonomie darf nicht als Selbstbestimmung missverstanden werden.

Und dies entspricht ausdrücklich auch nicht dem christlichen Glauben an Gottes Liebe, an Gottes Geschenk des Lebens!

Vielleicht bin ich ja zu streng. Vielleicht hat man dem Erzbischof als Kind eine Fabrikanlage zur Ammoniakerzeugung vor die Nase gestellt, mit der er dem Wunsch seiner Eltern gemäß nur lateinische Verben pauken durfte, bis man ihm die Anlage wieder wegnahm und ihn noch nötigte, für das Geschenk schön zu danken. Vielleicht müsste man sich hinunterbeugen und ganz langsam und geduldig erklären: Etwas, das uns ungefragt aufgezwungen wird, das ausdrücklich nicht in unser Verfügungsgewalt steht und uns überdies wieder weggenommen wird, ist kein Geschenk. Doch ach, das Geheimnis des Glaubens besteht eben darin, dass er es den Gläubigen erlaubt, ohne Rücksicht auf Verluste ihren feuchten Träumen nachzuhängen:

Es geschieht nach christlicher Überzeugung aber auch durch den Gesetzgeber und mittels des Gesetzes, das es dem Menschen verwehrt, sein eigenes oder ein fremdes Leben einer letzten und möglicherweise negativen Bewertung zu unterziehen.

Dies ist – und hier hört der Spaß auf – die christliche Überzeugung. Es ist uns verwehrt, unser Leben einer letzten und möglicherweise negativen Bewertung zu unterziehen. Weil nämlich Gott. Leute, die derlei von sich geben, werden im 21. Jahrhundert aus öffentlicher Hand bezahlt. Ich habe mein Urteil schon vorab gefällt.

Written by recotard

21. Februar 2015 at 23:13

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Katholische Mathematik

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(katholisches.info)

Written by recotard

9. Februar 2015 at 19:09

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Der Tod der Würde

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Der katholische Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, sprach von einer „neuen Herrschaft der Bilder“. Bilder des Grauens, von Hinrichtungen durch Terroristen etwa, töteten auch die Würde der Opfer. (pro-medienmagazin.de)

Sagt der Medienbischof einer Kirche, die einen auf grauenvolle Weise Hingerichteten zum Symbol hat.

„Allein dieser Ausdruck ›Würde des Menschen‹, einmal von Kant ausgesprochen, wurde nachher das Schibboleth aller rat- und gedankenlosen Moralisten, die ihren Mangel an einer wirklichen oder wenigstens doch irgend etwas sagenden Grundlage der Moral hinter jenem imponierenden Ausdruck ›Würde des Menschen‹ versteckten, klug darauf rechnend, daß auch ihr Leser sich gern mit einer solchen Würde angetan sehn und demnach damit zufriedengestellt sein würde.“ (Artur Schopenhauer)

 

Written by recotard

9. Februar 2015 at 13:32

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Die autonome Entscheidung für das eigene Sterben

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Das Positionspapier “Initiative zur Sterbebegleitung” (PDF) des Bistums Essen ist grundsätzlich so, wie man es sich vorstellt. So lesen wir etwa auf Seite 4:

Es besteht grundsätzlich kein gesetzgeberischer Handlungsbedarf.

Auf Seite 5 wird folgerichtig ausgeführt:

Die geschäftsmäßige bzw. organisierte Beihilfe zum Suizid sollte unter Strafe gestellt werden.

Und weiter unten wird erkannt:

Sterbehilfevereine – also kommerzielle oder ehrenamtliche Sterbeorganisationen – und auch einzelne Ärzte, nutzen die Straffreiheit einer Beihilfe zum Suizid aus.

Und so kann man es natürlich sagen, wenn man zugesteht, dass Glaubensgemeinschaften die Religionsfreiheit ausnutzen:

Ihr Vorhandensein oder gar ihre Implementierung [….] wären Ausdruck eines gesellschaftlichen Klimas, das geeignet ist, die Menschen in ihrer Entscheidung negativ zu beeinflussen.

Man muss aber derlei Zeugnisse der Vernageltheit, die es ohne weiter nachzudenken als natürlich annimmt, dass eine Entscheidung für den Tod unbedingt negativ sein muss, einfach als gegeben hinnehmen, sonst kommt man nie zum Ende. Blättern wir also lieber weiter auf Seite 6, wo wir erfahren, was eigentlich das Sterben ist:

Das Sterben ist integraler Bestandteil menschlichen Lebens und wird unter den richtigen Rahmenbedingungen zu einer intensiven Lebensphase. Untersuchungen belegen, dass existenzielles Leiden bzw. schwere Erkrankung die Wahrnehmung körperlicher und geistiger Integrität und das subjektive Wohlbefinden in fundamentaler Weise verändern.

Das ist nicht überraschend, aber richtig. Und?

Die Suche nach einer letzten gültigen Lebenserklärung bzw. einem Lebenssinn im Denken der Patienten gewinnt dabei tragende Bedeutung.

Auch das mag sein. Und?

Deshalb muss es auch darum gehen, dass Ärzte, therapeutische Teams, Familien und andere Begleiter jedem Menschen am Ende des Lebens die Geborgenheit vermitteln, aus der eine autonome Entscheidung für das eigene Sterben getroffen werden kann.

Der Sterbende soll also die Möglichkeit haben, sich autonom für das eigene Sterben zu entscheiden. Eine autonome Entscheidung gegen das Sterben kann der Sterbende naturgemäß nicht treffen, und er sollte auch, s.o., nicht in der Lage sein, seinen Tod mit organisierter Beihilfe selbst zu initiieren. Kurzum: Er hat einen Dreck zu entscheiden. Die “autonome Entscheidung für das eigene Sterben” enthüllt sich als heuchlerische Verklausulierung des Wunsches, der Sterbende möge sich weder vorzeitig aus dem Staub machen noch wider das Schicksal wüten: Ersteres würde die Lebenden beleidigen, letzteres würde sie nerven. Wir müssen den Sterbenden umhegen und infantilisieren, ihm “Geborgenheit vermitteln”, damit er nicht durch eine Erinnerung an die nur durch ihre Endlichkeit beschränkte Idiotie des Daseins unsere Prätentionen stört, sondern zuletzt noch eine “gültige Lebenserklärung” findet (“Das Leben trägt seinen Lohn in sich selbst, ich bin stolz auf meine Kinder und danke besonders meiner Familie, ohne die ich es nie geschafft hätte”). Da, so das Bistum Essen, Autonomie und Angewiesenheit “in gleicher Weise zur Grundkonstitution des Menschen” gehören, soll sich der Sterbende autonom dafür entscheiden, angewiesen zu bleiben und seine Rolle innerhalb der Gesellschaft bis zum Verrecken zu spielen.

 

Written by recotard

7. Februar 2015 at 08:24

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