Recotard

They've got a god in the basement you can use.

Was tragbar ist

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Christliche Lehrerinnen dürfen im Unterricht Kreuze tragen. Das hat das Bundesverfassungsgericht kürzlich entschieden. Die Reaktionen darauf sind zwiespältig. Lehrerinnen sind Vorbilder, darüber herrscht Konsens. Doch welche Botschaft vermitteln sie, wenn sie aus religiösen Gründen mit einem Kreuz in die Schule kommen? Wie die Wochenzeitung Welt am Sonntag (WamS) schreibt, sieht die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) darin ein Zeichen von Selbstbewusstsein und „eigenen Überzeugungen“ (…) „Eine Kreuz tragende Lehrerin ist ein positives Rollenmodell für christliche Mädchen. Sie verdeutlicht, dass in unserem Land auch im Staatsdienst Platz ist für Christen” (…)

Wer die Praxis kennt, sieht das zum Teil kritisch. Gerade weil Lehrer Vorbilder seien, werde es „dramatische Auswirkungen auf die Mädchen haben“, wenn eine Lehrerin ein Kreuz trage, sagt ein Berliner Schulleiter der Zeitung. „In all dem, was wir an Liberalität gewonnen haben, werden wir um Jahre zurückgeworfen“. Ein Kollege äußert in dem Beitrag die Sorge, Lehrerinnen mit Kreuz in der Schule signalisierten, „dass wir unsere Werte, Werte wie Vernunft, nicht mehr durchsetzen. Das Kreuz steht für die Aussage: Wir haben Angst vor der Realität und spinnen uns etwas zurecht“. (…)

Bedenken hat auch Michael Bertrams. Er war Präsident des Verfassungsgerichtes von Nordrhein-Westfalen und gehört der Kirchenleitung der evangelischen Landeskirche in Westfalen an. Er fragt sich, was das Urteil aus Karlsruhe nach sich ziehe – womöglich auch Bundesverfassungsrichterinnnen mit Kreuz? Er könne sich laut WamS nicht vorstellen, „dass eine Christin, die aus religiösen Gründen auf dem Tragen eines Kreuzes besteht, Hüterin unserer freiheitlichen Verfassung sein kann“.

Oder so ähnlich halt.

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24. März 2015 at 11:26

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Wo der gesunde Menschenverstand einsetzt

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Wo hört der Respekt vor der Religion auf und wo setzt der gesunde Menschenverstand ein? Vor Jahren besuchte ich in Boston eine “Kirche”, an deren Spitze ein “Reverend” stand, dem im Traum ein Wesen erschienen war und ihm den Auftrag gegeben hatte, die Erde zu retten. Die Menschheit sollte aufhören, sich zu vermehren. Das einzige Gebot dieser Glaubensgemeinschaft war: “Thou shalt not procreate” – “Du sollst dich nicht fortpflanzen”. Zu diesem Zweck propagierte die “Church of Euthanasia” unter anderem Selbstmord, Abtreibung, Kannibalismus und Analsex als Mittel der Bevölkerungsreduktion. (Henryk M. Broder)

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16. März 2015 at 18:03

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Zählende Berge, Unterbodenschutz und wo rechts und links ist

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[Gabriele] Kuby stellte dann klar fest: “Ich stehe auf den Boden unter demokratische freiheitliche Verfassung. Als Katholikin setze ich mich dafür ein, dass diese Verfassung geschützt wird.” Kritisch sehe sie auch die Einteilung “rechts-links” “Da frage ich doch. Zählen die Leichenberge des Kommunismus nichts mehr? Ich finde, sie zählen!” (kath.net)

 

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15. März 2015 at 15:47

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Leidensweg

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Die Bühne stellt eine finstere, spärlich eingerichtete Höhle dar – Klappstühle, ein Küchentisch als Altar, darauf eine Campingleuchte. Kleine Albinowesen drücken sich feuchte Felswände entlang. Stete Tropfen hallen nach, und aus der Ferne hören wir Hundegekläff, das die Säkularisierung darstellt. Eine Gruppe Gestalten tritt nach und nach ein, geduckt, in schwarzen Umhängen, Kapuzen verhüllen ihre Gesichter. Eine Zeremonie beginnt.

Anbeter (werfen sich nieder): Pro vitam humanam ab initiationem! Die Seele, die die Welt berührt, muss sich dem Spiel des Todes unterwerfen. Nun danket alle Gott! (Gebärde.)

Vorbeterin (Christin, heterosexuell): Die hunderttausend gekreuzigten Föten nennen euch Mama und Papa, sehen euch mit großen fragenden Augen an! Fühlt das Pochen ihrer Herzen! Seht ihre winzigen Händchen, die sich nach uns strecken! Denkt an die Kinder!

Anbeter (Chor): Denkt doch jemand an die Kinder! Der Herr beschütze uns vor dem Volkstod, dem Zeitgeist und der Diktatur des Relativismus!

Irgendwo platzt eine Fruchtblase. Die Anbeter erheben sich, Orgelmusik setzt ein.

Vorbeterin: Bringt den Meister herbei!

Geführt von zwei Helfern, tritt der Meister auf: Hebt meine Augenlider hoch! Ich kann nichts sehen.

Alle verharren auf ihren Plätzen.

Anbeter (Chor): Das ist die Finsternis! Die Finsternis der Un-Kultur des Todes!

Nieder! ruft der Meister aus. Nieder mit dir, töricht vermessenes Menschenwissen!

Zischen. Die Rentenkasse wird durch die Reihen gereicht. 

Meister: Wer ist wichtig?

Anbeter (Chor): Wir sind wichtig!

Meister: Selbst Gott hat gesagt, wir sind wichtig. Sind wir nicht Menschen?

Anbeter (Chor): Das ist das Gesetz!

Die Liturgie wird jäh unterbrochen, als sich jemand versehentlich auf eines der Albinowesen setzt, das mit einem Babyschrei verendet. Helle Aufregung erhebt sich, alles rennt wild durcheinander. Rufe: “Schnell! Geschwind! Ein neues machen!” Die Versammelten reißen sich in heiligem Eifer die Kleider vom Leib, während der Teufel im Orchestergraben machtlos mit seiner Gabel fuchtelt. Der Vorhang senkt sich.

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11. März 2015 at 17:32

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Kurz notiert

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Auf dem Kongress christlicher Führungskräfte sprach u.a. der katholische Theologe, Psychiater und Bestsellerautor Manfred Lütz:

Die Wissenschaft sei ebenso eine Errungenschaft des Christentums wie die Abschaffung der Sklaverei. Die modernen Menschenrechte seien ohne christlich-jüdische Tradition undenkbar. Das Christentum habe auch das Mitleid mit den Schwachen erfunden. „Deshalb ist die Kirchengeschichte auch Heilsgeschichte“, so Lütz. Kritik übte er an der zunehmenden Wissenschaftsgläubigkeit der Gesellschaft. Immer mehr Menschen neigten dazu, nur zu glauben, was nachweisbar ist. „Doch Liebe, Gut und Böse sowie Gott kann man nicht messen“, erklärte Lütz. (…) Für gefährlich hält es Lütz, dass immer mehr Menschen in „Scheinwelten“ lebten. (idea.de)

 

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27. Februar 2015 at 17:33

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Wie die Adventszeit noch stressiger wird und was von kommerziellem Interesse geprägt ist

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Wie positioniert man sich zu dieser Meldung? Wo soll man anfangen, wie kann man seine Gefühle ausdrücken, wenn man sie liest?

Kirchenvertreter kritisieren die geplante Verlegung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar in die Vorweihnachtszeit. “Public Viewing auf dem Weihnachtsmarkt ist für mich kaum vorstellbar”, sagte der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki dem Kölner “Express” (Donnerstagsausgabe). Die Adventszeit werde durch die Verschiebung der Fußball-WM noch stressiger. (…) Oberkirchenrat Matthias Kreplin von der badischen evangelischen Landeskirche bezeichnete die mögliche Terminverschiebung als “Absurdität”. Die Verlegung in die Adventszeit passe weder zum Fußballjahr noch zum Kirchenjahr, erklärte Kreplin. Bereits die Vergabe nach Katar sei “unsinnig und vor allem von kommerziellem Interesse geprägt” gewesen. Der neue Termin würde neben der Kollision mit der Adventszeit in vielen Ländern auch dazu führen, dass die Vorbereitung und die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft in die “stille Zeit des Totengedenkens” Ende November falle. (evangelisch.de)

Man weiß nicht mehr, ob von Advent oder WM die Rede ist, wenn Worte wie “stressig”, “Vorfreude” oder “kommerzielles Interesse” fallen. Es gibt nicht nur ein Kirchen-, sondern auch ein Fußballjahr, das einzuhalten ist, und wiewohl doch ein Weihnachtsmarkt selbst ohne Public Viewing die Vorstellungskraft sensibler Menschen übersteigt und wiewohl das Totengedenken an die tausenden toten Bauarbeiter in Katar die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft weder Ende November noch sonst wann zu trüben imstande wäre, beklagt der Regen die Nässe der Traufe, die Trauben sagen dem Fuchs, sie wären sauer, und ein Napoleon wirft dem anderen Amtsanmaßung vor. Es hat aber noch niemand ernsthaft den Versuch unternommen, sich für eine gewisse Zeit probehalber einmal rational zu gebärden. Und doch: Wie viel schöner und erträglicher wäre die Welt, käme sie ohne periodische Phasen kommerziell diktierten Massenirrsinns aus. Versuchen wir es doch, machen wir den Anfang. Weg mit Katar, Schluss mit dem Advent! Share this if you want to end suffering!

Written by recotard

27. Februar 2015 at 11:21

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Die zentrale Botschaft der Kirchen in der Zukunft

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Da ich kein Freund lauter Töne bin – zumal, wenn ich dem Chor predige – , möchte ich an dieser Stelle kurz vermerken, dass mir Papst Franziskus und seine spontanen Stand-Up-Aussagen immer mehr Trost spenden. Gewiss, er ist immer noch katholisch, aber immerhin hat der Mann erkannt, dass ohnehin schon alles egal ist, folglich redet er, wie er lustig ist, pereat mundus sowieso. Und da ich überdies träge bin, ist es eine willkommene Erleichterung, wenn sich der Schwachsinn selbst entblößt und ich ihn nur zitieren muss. Und so kann ich mit stiller Freude mitteilen, dass pro, das christliche Medienmagazin am heutigen Sonntag komplett durchgeknallt ist:

Ohne Gott ist alles sinnlos. Das könnte die zentrale Botschaft der Kirchen in der Zukunft sein, stellt die Welt am Sonntag fest. Denn wenn Religion beliebig wählbar ist, wächst auch die Angst vor Fehlentscheidungen.

Zwar hat schon Gabriele Kuby verkündet, dass die Religion keine Frage selbständiger Entscheidung im moralisch-normativen Bereich ist, doch dass die schlimme Religionsfreiheit, die so viel Sinnlosigkeit über die Welt gebracht hat, mit einem Postkartenspruch bekämpft werden könnte, stellt eine durchaus willkommene Neuerung dar. Dass die IS nicht mitmachen dürfte, ist zu bedauern. Nicht zu bedauern ist hingegen, dass das christliche Medienmagazin nicht lesen kann und das “Ohne Gott ist alles sinnlos” aus eigener Verblendung in den welt.de-Artikel hineingelesen hat, in dem der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke nur meint:

“Am Ende muss es allein darum gehen”, sagt Jaschke, “dass Gott uns nicht egal ist. Denn ohne Gott, das weiß doch die angeblich ,gefallene’ Protestantin so gut wie der katholische Bischof und eigentlich auch die übergroße Zahl der Menschen: Ohne Gott ist alles fahl und im Letzten aussichtslos.”

Und dieser Erkenntnis will ich keinesfalls widersprechen.

Written by recotard

22. Februar 2015 at 15:37

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