Recotard

They've got a god in the basement you can use.

Warnung vor der Warnung

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“Die Warnung” sorgt für Aufsehen. Zunächst auf der englischen Website thewarningsecondcoming.com (die aktuell vor allem ins Leere führende Links bietet), später auch auf dasbuchderwahrheit.de werden Botschaften publiziert, die Jesus, Gott Vater und die Muttergottes einer irischen Seherin im Schichtbetrieb übermitteln – inzwischen sind es schon 1102. In Nr 241 etwa teilt Gott Vater mit:

Ich möchte nicht einen von euch verlieren, einschließlich derjenigen, die über Mich spotten. Bereitet euch auf das größte Geschenk vor, das für euch bereitet wird. Ich werde Satan davon abhalten, euch zu schnappen, wenn ihr Mir das erlaubt. Ich kann euch nicht zwingen, diesen Akt der Barmherzigkeit anzunehmen. Was Mich traurig macht, ist, dass viele von euch diese Hand Meiner Barmherzigkeit zurückweisen werden. Ihr werdet nicht stark genug sein. Doch wenn ihr die Wahrheit seht, wie sie euch während der „Warnung“ offenbart wird, werdet ihr versuchen, sie wie eine Rettungsleine zu ergreifen.
Ihr müsst Mich um die Kraft bitten, Mir zu erlauben, euch vor der ewigen Verdammnis zu bewahren.

Damit Gott sich erlauben kann, uns vor der ewigen Verdammnis zu bewahren, müssen wir ihn bitten, sich Kraft dazu zu geben. Doch, ja, das klingt durchaus authentisch, wie auch die Signatur der Botschaft (“Gott der Vater”) klar macht, von wem sie stammt. Christus, z.B., unterschreibt zumeist mit “Euer Jesus” und ist cool drauf (“Sie gehören Mir. Ich gehöre ihnen. Das wird immer der Fall sein. Ich liebe sie alle. So einfach ist das.”), während die Jungfrau Maria dazu neigt, pittoreske Details zu liefern:

Die Bibel wird offen in Frage gestellt werden, durch Betrüger in christlichen Kirchen, und diese werden jede Lehre anzweifeln, die vor der Gefahr der Sünde warnt. Sie werden ihre Inhalte verdrehen und sie werden ein neues rotes Buch vorstellen, mit dem Kopf einer Ziege auf seinem Umschlag eingebettet, versteckt im Inneren vom Symbol des Kreuzes.

Das Buch wird in Times New Roman gesetzt sein, die Kapitelüberschriften aber werden Futura sein, und wenn man den ISBN-Barcode rückwärts abliest, tötet der Satan ein Kätzchen. Es ist also verständlich, wenn Christen in aller Welt sich fragen: Sind diese Warnungen authentisch? Wenden sich tatsächlich die göttlichen Mächte an uns, uns im bevorstehenden Endkampf zu stärken? Man lache nicht: Wie Michael Hesemann auf kath.net schreibt:

Seit Monaten sind die Botschaften der „Warnung“ ein Thema bei vielen kirchentreuen Christen, an manchen Gebetsstätten und Wallfahrtsorten haben sich ihre Anhänger bereits so breit gemacht, dass Bücher über den amtierenden Papst Franziskus als Ladenhüter gelten. 

Doch nun, um alle Unklarheiten zu beseitigen,

erklärt Erzbischof Diarmuid Martin von Dublin, dass die angeblichen Erscheinungen keine kirchliche Genehmigung besitzen (gloria.tv)

- na dann! Nur von uns lizenzierte Erscheinungen sind die echten. Das Publikum soll nicht auf jeden Schwindel hereinfallen, sondern mit fester Stimme darauf bestehen, dass die Muttergottes ihre kirchliche Genehmigung vorzeigt. So spricht der Erzbischof. Was aber sagt Jesus dazu?

Erkennt den Lügner dann, wenn er sagt, er sei kompetent, habe eine tolle Ausbildung in Theologie — und er wisse somit mehr über Mich als andere — und der dann behauptet, ihm sei das Recht gegeben, andere zu verurteilen, die sagen, dass sie in Meinem Namen sprechen. Diese Arroganz könnte niemals von Gott kommen.

Und wem soll man mehr glauben – einem Erzbischof oder Jesus Christus?

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Written by recotard

16. April 2014 at 20:09

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7 Antworten

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  1. Ich glaube, du missverstehst den Vater da ein bisschen. Nicht er braucht Kraft, sondern wir.

    Muriel

    16. April 2014 at 20:23

    • Wie jetzt? Wir müssen ihn um die Kraft bitten, ihm zu erlauben, uns vor der Verdammnis zu bewahren?

      recotard

      16. April 2014 at 20:25

      • So hat er es offenbar gesagt, ja.

        Muriel

        16. April 2014 at 20:27

        • Gott kann uns nur dann vor der Verdammnis bewahren, wenn wir es ihm erlauben, aber da wir nicht die Kraft haben, es ihm zu erlauben, möge er uns die Kraft dazu geben, damit wir es ihm erlauben können, damit er uns bewahren kann? Ist das nicht ein wenig unpraktisch und bürokratisch, wo es doch um unser Seelenheil geht?

          recotard

          16. April 2014 at 20:31

          • Doch, schon.
            Willst du auf was Bestimmtes hinaus?

            Muriel

            16. April 2014 at 21:10

            • Nun ja, wenn Gott sagt “Ich möchte nicht einen von euch verlieren” und überdies fürchtet “Ihr werdet nicht stark genug sein”, warum rettet er uns dann nicht einfach? Das wär’ doch ein schöner Zug von ihm, und schwer sollte es ihm, da allmächtig, auch nicht fallen.

              recotard

              16. April 2014 at 21:12

              • Er ist allwissend und allmächtig, aber niemand hat je behauptet, dass er besonders klug wäre.

                Muriel

                16. April 2014 at 21:17


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