Recotard

They've got a god in the basement you can use.

Gute Frage

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Unter den Kranken fällt uns ein Mann auf, der gemessenen Schrittes im Saale auf- und abwandelt. Er hat das Eigenthümliche, daß er stets nur bis zur Hälfte desselben geht, dann scheu auf einen Winkel schaut, schnell sich umdreht und wieder abwärts schreitet, indem er vor sich hinspricht. “Ha, ha! elender Wicht, du bist mir nicht gewachsen, zum zweiten Male sollst du mich nicht verführen. Einmal hast du mich um mein Gehirn gebracht, mit deinem Saufen, weil ich dir Gesellschaft leistete, jetzt ist’s zu Ende damit…” Was will er damit sagen?

(Bruno Schön, Mittheilungen aus dem Leben Geistesgestörter, 1847)

 

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28. August 2014 at 20:24

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Wie der Kalk versaut ward

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Der etwa fünf Meter lange Raum ist dem Bericht zufolge gefüllt mit natürlich entstandenen Kalkablagerungen, die an Brüste oder Penisse erinnern. Offenbar ließen sich die frühen Besucher nach Einschätzung der Forscher dadurch zu ihren Gravuren inspirieren. Womöglich hätten die Menschen in der Höhle einen Ort der Lust gesehen und inmitten der anatomischen Auffälligkeiten Fruchtbarkeitsfeste gefeiert, sagte der Geologe und Archäologe Bernhard Häck der “Zeit”. Er beschrieb die Höhle als einen “Ort voller Magie”. (msn.com)

Ungezählte Jahrtausende lang lagert der Kalk sich ab und denkt an nichts Böses. Doch dann kommt der Urmensch: Hey, der Kalk sieht ja aus wie Titten! Prompt wird er geil, ritzt noch einen Körper drumherum und beginnt Fruchtbarkeitsfeste zu feiern, bis die Schwarte kracht. 12.000 Jahre später aber steht der Forscher in der Höhle und denkt sich ergriffen: Wow, voller Magie!

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10. August 2014 at 18:59

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Kauder: Die existenzielle Herausforderung

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Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) kritisierte unterdessen den evangelischen Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider wegen dessen Position zur assistierten Selbsttötung kritisiert. „Es ist wenig hilfreich, wenn der EKD-Ratsvorsitzende als Betroffener zu dieser existenziellen Herausforderung Interviews gibt“, sagte Kauder der Leipziger Volkszeitung vom Montag. (aerzteblatt.de)

Es reicht ja wirklich aus, wenn Nichtbetroffene wie etwa Herr Kauder zu einer existenziellen Herausforderung Interviews geben. Die Betroffenen mögen doch bitte die Schnauze halten und Herrn Kauder zuhören, der genau weiß, für welche existenziellen Herausforderungen die Liebe nicht ausreicht.

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4. August 2014 at 09:38

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Bei allem Respekt vor der Liebe: Geschenkt!

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Volker Kauder weiß Bescheid:

„Das Leben ist in jeder seiner Stufen und in all seinen Formen, die Gott geschenkt hat, lebenswert.“  (pro-medienmagazin.de)

Hätte Kauder diese Aussage als Werturteil gemeint, müsste man ihn ob seiner Naivität bedauern, er stellt aber natürlich einen Imperativ auf:

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hatte erklärt, dass er seine an Krebs erkrankte Frau im Zweifelsfall aus Liebe in die Schweiz zum Sterben begleiten würde. Kauder sagte dazu: „Bei allem Respekt vor der Liebe muss ich sagen: Das reicht nach meiner Auffassung nicht aus. (…) Das Geschenk des Lebens kann man nicht zurückgeben.”

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Liebe Schneiders: Ihre Liebe reicht nicht aus. Das Geschenk des Krebses kann man nicht zurückgeben: Er ist in jeder seiner Stufen und in all seinen Formen, die Gott geschenkt hat, lebenswert. (Bei allem Respekt vor der Liebe!) Und als wollte er sich vollends ad absurdum führen, greift Kauder auch noch auf Paulus zurück:

Aus Galater 5 zitierte Kauder „Gott hat die Menschen zur Freiheit befreit“ und fragte: „Gilt das nicht auch am Schluss?“

Die Freiheit besteht aber nicht etwa in der Verfügungsgewalt über das eigene Leben, sondern darin, auf einem ungewollten Geschenk sitzen bleiben zu müssen. Das gilt auch am Schluss, kurz bevor Gott sein Geschenk wieder abholt. Aber bei allem Respekt vor der Liebe müsste Kauder doch sagen, dass Paulus etwas falsch verstanden hat, als er im Galaterbrief schrieb:

Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern.

Durch die Liebe, Herr Kauder. Gilt das nicht auch am Schluss? Oder wollen Sie nach der Freiheit auch die Liebe in ihr Gegenteil umdefinieren? Nur nebenbei sei bemerkt, dass der Galaterbrief nicht von der Freiheit an und für sich handelt, sondern sich gegen judenchristliche “Irrlehrer” wendet, die Paulus’ Schäfchen zur Beschneidung überreden wollen. Wir tun gut daran, uns in diesem Zusammenhang daran zu erinnern, wie Sie vor zwei Jahren für die Beschneidung eingetreten sind, wiewohl das Baby doch keineswegs die Freiheit besitzt, diesem Ritual zuzustimmen. (Gilt die Freiheit nicht auch am Anfang?)

“Wir wollen das organisierte Helfen zum Sterben verbieten.”

Wir wollen Freiheitsrechte unter Berufung auf die Berufung zur Freiheit einschränken, weil Gott. Da müssen wir dann wohl durch. Aber Sie können, Herr Kauder,  bei allem Respekt von Glück reden, dass ich nie Interviews gegeben habe: Würden Sie sich ein Urteil darüber anmaßen, ob und wofür meine Liebe ausreicht, könnte es unschön werden.

Written by recotard

3. August 2014 at 16:39

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Das Recht auf den eigenen Tod

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Der Staat, der doch sonst so rührend um uns besorgt ist, versagt in einem unmöglich zu überschätzenden Punkt: Will ich meine Rute ins Wasser hängen, so muss ich zur Behörde pilgern und sogar eine Prüfung absolvieren. Will ich aber meinen Penis in eine Vagina stecken, kümmert sich kein Amt darum, und sollte es mir gelingen, ein paar Minuten nicht aus dem Bett zu fallen, während sowohl ich als auch meine Partnerin zu dämlich sind, um zu verhüten, dann entsteht womöglich noch ein Blag.

Ist aber dieses Laissez-faire der Legislative für sich genommen schlimm genug, wird es ganz und gar unerträglich, wenn der Staat dem Leben, dessen Beginn er so ignorant, ja kupplerisch zugelassen hat, am Ende mit einem ethischen Umhängebart entgegentritt und sich, wiewohl Suizid doch legal ist, mit moralischem Gestus zum Herrn über Leben und Tod macht, indem er dem Staatsbürger erklärt, er müsse leben oder eben in Eigenregie Rohrreiniger trinken bzw. als vorangegangene Verkehrsbehinderung Lokführer traumatisieren; über Ausnahmen denkt man gnadenhalber für den Fall nach, dass der Betroffene ohnehin schon fast tot ist.

Im Hintergrund des Diskurses ragt wolkenverhangen die alte Idee, das Leben wäre heilig oder jedenfalls höchst wünschenswert (Gott, Renten, Menschenwürde). Und das kann man natürlich (Meinungsfreiheit) so sehen und dafür werben. Man kann aber auch – und dies ist kein Widerspruch – sagen: Es ist nicht Aufgabe des Staates, seinen Bürgern weltanschaulich zu kommen, sondern unter Gewährung größtmöglicher Freiheit als ihr Dienstleister zu fungieren.

Um es unmissverständlich zu sagen: Man treibe – ich bin dafür – den Ausbau der Palliativversorgung und psychologischer Dienstleistungen voran. Man würdige und bezahle das Pflegepersonal den Sonntagsreden gemäß. Man mache den Menschen glaubhaft, dass sie nicht nur dazu auf der Welt sind, dem Wind nachzuhaschen und auf die Altersarmut zu warten. Man gestalte die Welt so lebenswert wie möglich.

Man gestehe als Staat seinen Bürgern aber auch das Recht auf den eigenen Tod zu und erweise sich als Dienstleister würdig, indem man Mittel und Wege für einen effektiven Suizid bereitstellt oder zumindest entsprechende private Angebote nicht verbietet, sondern fördert. (Verlangen diese Geld dafür, ist die Entrüstung zu vertagen, bis die Ärzte aufhören, Geld von der Krankenkasse anzunehmen, und die Bestatter gratis schaufeln.)

Die anmaßende Idee einer Prüfung des Suizidenten, ob er denn auch wirklich unheilbar krank ist (womit dem Bittsteller sein Tod erst recht wieder aus der Hand genommen wird), hat zu entfallen: Das steht dem Staat nicht zu. Wer als unbeschränkt geschäftsfähig gilt – also weder minderjährig noch entmündigt oder dement ist – , erhalte Zugang zu diesen Angeboten. Maßnahmen zur Abfederung von Missbräuchen, etwa eine obligatorische Wartefrist und ein ebensolches Beratungsgespräch, wären zu überlegen, wenngleich immer im Bewusstsein, dass jede gewährte Freiheit Risiken birgt.

Wem aber angesichts dieser Vorschläge graut, der sei zumindest konsequent genug, das Zeugen von Kindern nur gegen Vorlage eines Eignungsnachweises zu gestatten.

Written by recotard

31. Juli 2014 at 19:18

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Jesus Loves Me

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Andy’s Gang war eine Kindersendung, die von 1955 bis 1960 lief. Nichts für schwache Gemüter!

(via christiannightmares.tumblr.com)

 

Written by recotard

19. Juli 2014 at 16:37

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Ohne Gott keine Moral

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Oft habe ich mir vorgenommen, in Ruhe zu erwägen, welches christliche Argument wohl das dämlichste ist: Eine diffizile Frage, da diese Argumente in allen Farben und Geschmacksrichtungen auftreten. Man vergleiche etwa den Abgrund, der aus der Frage “Wenn du nicht an Gott glaubst, warum redest du dann dauernd über ihn?” gähnt, mit dem kuhwarmen Ansatz “Du musst doch nur in die Augen eines Hündchens sehen” oder den Eishöhlen, in denen der Spaemann wohnt. Da ich aber die Fülle der Anregungen vor meiner Rente kaum bewältigen können werde, lasse ich vorerst das Herz sprechen und nominiere Gregor Gysi:

„Ohne Gott und Kirche gibt es keine Moral in der Gesellschaft“, betonte der Politiker (merkur-online.de)

und ich nehme zur Kenntnis, dass Gysi es nur der Existenz Gottes und der Kirche zuschreibt, dass er nicht raubend, mordend und vergewaltigend durch Berlin tobt. Hätte er es nicht vom Berg Sinai, käme er nicht auf die Idee, dass es nicht gut ist, seines Nächsten Gut zu begehren, und hätte die Bibel irrtümlich die Weisung ausgelassen, Ehebrecherinnen zu steinigen, wer weiß, was er dann triebe.

Wer solche Aussagen trifft, hat die Ratio in den Wind geworfen. Er besitzt keine Moral, sondern folgt lediglich Befehlen, und da noch nicht einmal allen. Mit so jemandem legt man sich nicht an, denn man kann nie wissen, wie er reagieren wird. Man bleibt auf der anderen Straßenseite und dankt nur dem Allmächtigen, dass er durch seine Existenz den Gysi irgendwie im Zaum hält, der ja auch so schon beunruhigend genug ist, aber ohne Gott komplett zur Geißel der Menschheit würde.

Ach nein, halt: Laut eigener Aussage glaubt Gysi nicht an Gott.

 

Written by recotard

17. Juli 2014 at 15:30

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Bolschewistenzensur in the U.K.

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Alexander Kissler teilt mit:

Britischer Kulturbolschewismus – Fördergeld nur für Randgruppen-Filme (cicero.de)

Die jüngeren werden nicht mehr wissen, was Kulturbolschewismus ist. Es handelt sich um “ein politisches Schlagwort, das in einem abwertenden Sinn für Künstler, Kunst, Architektur und Wissenschaft verwendet wurde, die entsprechend den Vorstellungen des Nationalsozialismus als zu progressiv und linksgerichtet abgelehnt wurden. (…) Bis 1933 gehörte das Schlagwort zum Vokabular aller bürgerlichen Parteien und bezeichnete Kulturverfall im weitesten Sinne.” (Wikipedia)

Starker Tobak also. Was ist denn geschehen, das Alexander Kissler, der gewiss nationalsozialistischer Sympathien unverdächtig ist, zu solchen Worten greifen lässt? Nun, das British Film Institute hat Bedingungen für die Filmförderung aufgestellt. Achtung, anschnallen!

Dreimal soll der Zensor von September an ein Häkchen setzen, damit dem Regiment der Vielfaltsoligarchie genüge getan wird. Erstens soll eine Hauptfigur einer benachteiligten Gruppe angehören und diese in ein positives Licht rücken; zweitens sollen 30 Prozent der Nebenfiguren dieses Gebot erfüllen, und drittens sollen die Arbeitsbedingungen so beschaffen sein, dass sich die „Angehörigen von Minderheiten“ am Set wohl fühlen.

Wer Kisslers Beschreibung mit seiner Quelle vergleicht, wird feststellen, dass seine Punkte 1 und 2 eigentlich einer sind, während sein Punkt 3 zwei sind. Aber Schwamm drüber, man kann derlei Quoteninstrumente gewiss für fragwürdig halten. Schade nur, dass sich Kissler, anstatt seine Meinung argumentativ zu untermauern, ins polemische Unterholz verirrt und das BFI “Zensor” nennt, als wäre das bevorzugte Machtmittel der Zensoren, Künstler auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen in den Kerker zu werfen zum Frontdienst zu verdonnern mit Schreibverbot zu belegen Werke zu verbieten Künstlern das Fördergeld zu verweigern.

Neue Stufen der Filmkultur wird Britannien erklimmen. James Bond war gestern, nun heißt es: „Jennifer – eine Alleinerziehende schlägt sich durch.“ Oder „Im Namen der Väter. Patchwork on the rocks.“ Vielleicht auch: „Ibrahim und seine vier Frauen. Geschichte einer Leidenschaft.”

Nicht gerührt, nein: Geschüttelt von der Furcht, James Bond müsste ohne Förderung auskommen, schneiden wir auf ein Close-Up Kisslers: Hartes Unterlicht, polygame Visionen umtanzen sein Haupt, auf der Tonspur wird das Theremin nervös. Er ruft aus:

Der Staat begreift sich – selbst im ehemals so liberalen, pragmatischen Vereinigten Königreich – als Agent einer Weltanschauung, die er seinen Untertanen, die einmal Bürger waren, aufzwingen will.  Es sind die feuchten Träume eines Lenin, eines Mao, die hier in vermeintlich bester Absicht wahr werden.

Aufzwingen – der Zensor – den Untertanen – mit der Filmförderung – Lenin – Mao – vier Frauen – feuchte Träume – die Bolschewisten! Oh, it makes me mad! Mad!

Aber das Mäzenatentum sieht nun einmal so aus, dass der Geldgeber für sein Geld eine Sonntagsmesse fordert und unwirsch wird, wenn man ihm stattdessen ein Revolutionsoratorium liefert. Dies ist ein legitimer marktwirtschaftlicher Vorgang, und wer die Ansprüche des Geldgebers nicht gut findet, muss sich ihnen nicht unterwerfen. Um einen Film zu drehen, braucht der Filmemacher der Gegenwart eine Kamera, einen Laptop, Gleichgesinnte und einen Gratis-Account bei einem Videohoster. Das ist alles, und wenn es um die Kunst geht und nicht um James Bond, reicht es auch. Die liberale, pragmatische Aufgabe des Staates aber besteht darin, den Film ebenso wenig zu verbieten wie Kolumnen, in denen Apokalyptiker vom Kulturverfall feucht träumen, weil Randgruppen gefördert werden sollen.

 

Written by recotard

17. Juli 2014 at 10:55

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Schneider: Bei der Sterbehilfe ist die Liebe entscheidend

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Zwei Meldungen, innerhalb weniger Minuten im RSS-Reader aufgeschlagen:

(…) der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, wandte sich strikt gegen den organisierten “assistierten Suizid”. “Jeder Versuch, die Beihilfe zur Selbsttötung zu institutionalisieren, sei es gewerbsmäßig, sei es geschäftsmäßig, setzt Anreize, Selbsttötung zu normalisieren”, betonte er. Damit aber wäre eine Grenze überschritten. Aktive Sterbehilfe aus pragmatischen, finanziellen oder ideologischen Gründen sei für ihn “Sünde” und widerspreche dem Willen Gottes. (domradio.de)

Zu unterscheiden ist aber Schneiders Meinung, was die organisierte Beihilfe zur Selbsttötung anlangt, von seiner Meinung in Bezug auf die freihändige, laienhafte Sterbehilfe:

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kicrhe [sic] in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat seiner krebskranken Frau Anne zugesichert, sie im Ernstfall in ihrem Wunsch nach Sterbehilfe zu unterstützen. “Das wäre zwar völlig gegen meine Überzeugung”, sagte Schneider der ZEIT. “Aber am Ende würde ich sie wohl gegen meine Überzeugung aus Liebe begleiten. (…) Die Liebe ist entscheidend.” (zeit.de)

Diese Erkenntnis ist immerhin ein erster Schritt. Nun muss er sich noch vorstellen, dass einem Menschen in dieser Situation die Mittel fehlen, seine Frau effektiv zu begleiten. Dass er auf hilflose Versuche mit Tabletten und Rasiermessern angewiesen ist, bis er verzweifelt in einer Pfütze von Blut und Erbrochenem steht, das Schmerzenswimmern seiner Frau immer lauter und lauter wird und er sich nur noch wünscht, es gäbe eine pragmatisch agierende Organisation, die in solchen Fällen Hilfestellung leisten könnte, und nicht eine Organisation, die über den Willen Gottes fabuliert.

Written by recotard

16. Juli 2014 at 11:04

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Märchen, Werte, Diktaturen

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Gott ist der Herr des Lebens – darum dürfen sich Menschen nicht an ihm vergreifen! Wenn und weil Gott selbst das Leben schenkt und nimmt, müssen wir alles dran setzen, dass sich die Menschen nicht zum Herrn des Lebens aufschwingen. (…)
Es ist höchste Zeit, dass wir das Märchen überzogener Selbstbestimmung des Menschen entmythologisieren. Keiner von uns hat sich selbst dazu entschlossen zu leben. An unserer eigenen Entstehung war keiner mit eigener Willensbildung beteiligt. Und das ist gut so! Darum ist es aber doch nur folgerichtig, dass es auch keinen selbstbestimmten Tod gibt. (Hartmut Steeb)

Darum ist es aber auch nur folgerichtig, dass es kein selbstbestimmtes Leben geben kann: Da sei Gott vor, in dessen Namen wir Entmythologisierung betreiben. Herr Steeb (verheiratet, 10 Kinder) hat zwar keinen Geschmack für Ironie, sonst wäre er beim Versuch, unter Bezugnahme auf Gott abschätzig von Märchen zu reden, vom Podest gekippt, aber er hat ein Leitmotiv:

Da wundert es auch nicht mehr, dass das Gebot „Seid fruchtbar und mehret euch“ kein Zitat wert ist. (ead.de)

Wir müssen Kindern Mut machen für die Ehe und das Weitergeben von Leben. (daserste.de)

Neue Väter braucht das Land! Gewiss, bessere. Aber vor allem Väter, einfach Väter. Denn ohne Väter gibt es auch keine Mütter. Und ohne Mütter gibt es keine Kinder und ohne Kinder gibt es keine Zukunft. (PDF)

Steeb hat aber auch – und hier kippt der bislang nur peinliche Lebenswahn ins Bedrohliche – klare Vorstellungen, was benötigt wird, um dieses Ziel zu erreichen:

Die Gesellschaft braucht Werte, die müssen unabhängig von der Mehrheit gelten. Wir brauchen Werteordnungen, die nicht von wechselnden Mehrheiten über den Haufen geworfen werden können.

Es erübrigt sich gewiss, zu erwähnen, dass Steeb und Freunde die Werteliste schon parat haben. Wir tun gut daran, uns an diesen Wunsch nach Werten, “die nicht von wechselnden Mehrheiten über den Haufen geworfen werden können”, zu erinnern, wenn wir wieder einmal das Märtyrergeschrei einer moral minority hören, die wehklagt wie die arme Seele im Fegefeuer, weil die Diktatur des Relativismus sie angesichts solcher Visionen in den Privatbereich evakuieren will.

Written by recotard

15. Juli 2014 at 14:12

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