Recotard

They've got a god in the basement you can use.

Achtung, Mitleid, Takt

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Wenn es um das Thema Nr. 1 geht, übernimmt gloria.tv sogar eine Meldung von queer.de:

In einem Interview mit der polnischen Zeitschrift “Nasz Dziennik” hat der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller betont, dass die Kirche Homosexuelle niemals als gleichwertig mit Heterosexuellen anerkennen werde. “Aktive Homosexualität ist nicht akzeptabel”, so Müller, der oberste Glaubenshüter der 1,2 Milliarden Katholiken. “Diese Einschätzung wird die Kirche nie ändern. Aktive Homosexualität widerspricht dem Naturgesetz und ist eine Sünde.”

Nun ja, nein. Wenn die aktive (gemeint ist verm.: die ausgeübte) Homosexualität dem Naturgesetz widerspricht, dann ist sie schlicht unmöglich, dann kann es sie ebenso wenig geben wie den Apfel, der aus freien Stücken auf den Baum springt. Aber ich weiß schon, was hier passiert ist. Man kann von queer.de nicht erwarten, dass sie über die korrekte wörtliche Übersetzung “Naturgesetz” hinaus das abstruse Konzept  “Naturrecht” parat haben, bei gloria.tv sollte man eine Beherrschung der einschlägigen Terminologie freilich voraussetzen können. Aber hören wir weiter:

Der 66-Jährige erinnerte dabei an den Katechismus der katholischen Kirche, der besagt, dass homosexuelle Handlungen “in keinem Fall zu billigen” sei und dass Katholiken Homosexuellen zugleich mit “Achtung, Mitleid und Takt” zu begegnen hätten.

Folgen wir dem Katechismus! Begegnen wir den Kirchenvertretern mit Achtung, Mitleid und Takt, auch wenn wir den widrigen Wahnsinn, den sie von sich geben, in keinem Fall billigen können. Gewiss wenden manche Religiöse ein, sie hätten sich ihren Glauben nicht freiwillig gewählt, sondern er wäre ihnen – von Gott – in die Wiege gelegt worden. Es liegt mir ferne, diesen Menschen die subjektive Wahrhaftigkeit ihres Glaubens zu bestreiten. Das ändert aber nichts daran, dass wir Gläubige niemals als gleichwertig mit vernunftgeleiteten Menschen anerkennen können. Es kann nicht sein, dass Menschen mit religiöser Neigung etwa in Erziehung, Ausbildung und Militär wirken; streng genommen sollte man ihnen grundsätzlich den Zugang zu öffentlichen Ämtern verwehren. Da können sie mit militanten Kampfbegriffen wie “Christianophobie” auffahren, wie sie wollen: Gottesanbetung widerspricht einfach der Vernunft. Und der Würde. Ja, es ist Gläubigen oft auch schweres Unrecht zugefügt worden! Aber das ist längst vorbei, sie können wie alle Bürger in Frieden leben und das soll so sein und bleiben! Aber sie sollen aufhören, allen anderen einreden zu wollen, sie wären benachteiligt und aufhören mit so mancher mimosenhaften Reaktion. Daher ein ausdrückliches Ja! zu Achtung, Mitleid und Takt – aber zugleich auch ein klares Nein! zu einer relativistischen Akzeptanz des ungeordneten Geistes.

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19. November 2014 at 22:17

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Audiatur et altera pars

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Erinnern wir uns an das öffentliche Sterben von Johannes Paul II. im Jahr 2005. Von Anfang Februar bis Anfang April ließ der Papst alle Menschen an seinem Leid, an seiner Krankheit, an seinem Verfall teilhaben und zeigte seinen kommenden Tod. Der geduldete Tod wurde zu einem Zeichen für die Würde des Lebens. (Jakob Augstein)

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13. November 2014 at 15:09

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Was selbstverständlich sein sollte, es aber nicht ist

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Das Positionspapier von Renate Künast, Petra Sitte, Kai Gehring und Anderen zur Sterbehilfe, das hier nachgelesen werden kann, enthält den Absatz:

Wer eine solch schwere Entscheidung trifft und die unvorstellbar hohen psychischen Grenzen überwindet, um sich zu einem Suizid zu entscheiden, soll nicht von anderen Menschen nach deren moralischen oder religiösen Kriterien bewertet werden. Genau dies wäre jedoch der Fall, wenn (ein Teil der) die Beihilfe zum Freitod in Zukunft strafbar würde. Denn dies würde im Kern bedeuten, dass auch die eigentliche Tat selber, der Freitod, als etwas moralisch Verwerfliches bezeichnet würde.
Der einzelne Mensch ist Souverän seines eigenen Lebens. Nicht andere sollen darüber entscheiden, wie jemand zu sterben hat. Selbstbestimmt zu Leben ist selbstverständlich, selbstbestimmt sterben können muss ebenso selbstverständlich sein. Das ist ein Gebot der Menschenwürde.

Die Erkenntnis, dass das Konzept “Menschenwürde” nur dann nicht vollkommen sinnfrei bleibt, wenn der Mensch selbst dabei mitreden kann, hebt das Papier ebenso erfreulich von allen anderen aktuell vertretenen Positionen ab wie die Tatsache, dass keine Limitierung dieses Rechts auf eine bestimmte Personengruppe erfolgt. Das Papier spricht sich gegen kommerzielle Sterbehilfe aus, erklärt aber:

Nichtkommerzielle Vereine, die Beihilfe zur Selbsttötung anbieten, sollten aber weiterhin gestattet bleiben. Als Gesetzgeber müssen wir sie dazu verpflichten, sich auf eine Unkostenerstattung zu beschränken, jeden Fall genau zu dokumentieren und ihnen genaue Kriterien und Mindeststandards für Begutachtungen vorgeben. (…) Was Einzelnen erlaubt ist, kann aus verfassungsrechtlichen Gründen einem Verein nicht verboten werden.

Für diesen Lichtblick im Gestrüpp des anmaßenden und verblendeten Unfugs der Debatte danke ich den Verfassern ebenso wie den Unterzeichnern: Dr. Franziska Brantner, MdB; Matthias W. Birkwald, MdB; Roland Claus, MdB; Katja Dörner, MdB; Katja Keul, MdB; Susanna Karawanskij, MdB; Tom Koenigs, MdB; Caren Lay, MdB; Nicole Maisch, MdB; Cornelia Möhring, MdB; Tabea Rößner, MdB.

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12. November 2014 at 21:59

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Eine spannende Diskussion

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Hätte ich es nur gewusst! Leider erfahre ich erst jetzt, wie spannend es freitags in Lahr zuging, und bin daher auf spoilernde Medien angewiesen.

Es gibt in Deutschland genug Möglichkeiten, in Würde zu sterben. Gewerbsmäßige Sterbehilfe braucht man nicht. Das ist ein Ergebnis einer spannenden Podiumsdiskussion am Freitag in der Stiftskirche.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren nämlich der Pfarrer, eine Studienleiterin an der Evangelischen Akademie, ein Arzt und Vorstandsmitglied im Hospizverein sowie eine Mitarbeiterin an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft.

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10. November 2014 at 23:02

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Der Praktikant muss schuld sein

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Der Leiter des Referates Erziehung und Bildung in Schule und Gemeinde bei der Evangelischen Landeskirche in Baden, Christoph Schneider-Harpprecht, meint, schon in der Schule solle für das Thema Sterbehilfe sensibilisiert werden. Fein! denke ich, und freue mich, nichts dazu sagen zu müssen. Dann lese ich weiter:

Darüber hinaus könne in vielen anderen Fächern das Thema Sterbehilfe als Beispiel gewählt werden, hieß es. Beispiele seien Biologie (Was ist Leben?), Gemeinschaftskunde (Grundrechte, Menschenwürde), Wirtschaft (Sparvorgaben im Gesundheitswesen), Deutsch, Literatur (Lektüreauswahl) und Geschichte (Euthanasieprogramme im Dritten Reich).

Man weiß ja nie, wie derlei Meldungen zustande kommen, also will ich glauben, dass der dpa-Praktikant diesen Satz improvisiert hat. Ich will davon ausgehen, dass Prof. Dr. Schneider-Harpprecht nie auf den denunziatorischen Wahnwitz verfallen wäre, den Massenmord an geistig Behinderten als eine Form der Sterbehilfe zu sehen. Ich will der Menschheit doch einen kleinen Funken Hoffnung gönnen.

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9. November 2014 at 19:25

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Keine Privatsache

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Ist denn nicht einmal am Sonntag Ruhe? Das Kolpingwerk teilt mit:

Der Bundeshauptausschuss des Kolpingwerkes Deutschland wendet sich gegen jede Form organisierter und kommerzieller Sterbehilfe. Die unantastbare Würde des Menschen und der notwendige Schutz Schwerkranker vor Fremdbestimmung machen nach Ansicht des katholischen Sozialverbandes eine solche Ablehnung notwendig.
Sterbehilfe sei keine Privatsache. “Wer es unterlässt, sein Selbstbestimmungsrecht rechtzeitig auszuüben, bringt möglicherweise durch das Verlangen einer Sterbehilfe andere Menschen in eine unzumutbare Situation”, betont das Kolpingwerk. Ärzte, Pflegepersonal und Angehörige dürften nicht in Gewissenskonflikte gebracht werden.

Zwar ließen sich diese Konflikte durch eine Zulassung organisierter und kommerzieller Sterbehilfe vermeiden, aber das geht eben nicht. “Wer es unterlässt, sein Selbstbestimmungsrecht rechtzeitig auszuüben”, sich also weder prophylaktisch vor den Zug wirft noch die Mittel für eine Reise in die Schweiz aufbringen kann, der ist eben selbst schuld. Da er vor Fremdbestimmung geschützt werden muss, ist eine Bestimmung notwendig, die ihm verbietet, sich Hilfe zu suchen.

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9. November 2014 at 18:36

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Aus dem Schneider

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Frage: Mit der Ankündigung, Ihre Frau in die Schweiz zu begleiten, sollte sie Hilfe beim Suizid in Anspruch nehmen wollen, sind Sie auf harsche Kritik gestoßen. Hat Sie das überrascht?
Schneider: In erster Linie habe ich sehr viel Zuspruch und Unterstützung erhalten. (…) (nwzonline.de)

Das ist immerhin erfreulich. Weniger erfreulich ist, dass Schneider drei Fragen weiter meint:

Frage: Nächste Woche debattiert der Bundestag erstmals über mögliche Gesetzesänderungen zur Sterbehilfe. Was erhoffen Sie sich davon?
Schneider: (…) Schon jetzt zeichnet sich ein Konsens ab, dass organisierte und geschäftsmäßige Sterbehilfe verboten werden soll. Ich halte ein solches Verbot für richtig!

Als Nikolaus Schneiders Doppelhaltung offenbar wurde, war man geneigt, ihm milde zu begegnen, denn gewiss ist die emotionale Belastung, die daraus erwächst, dass die eigene Frau Suizid erwägt, nicht dazu angetan, logisches Überlegen zu fördern. So lobten die Herren Schäuble und Gröhe Schneiders “Barmherzigkeit” und seine “Liebe”, die “im Konfliktfall über den eigenen ethischen Überzeugungen stehen würde”, während Wolfgang Huber erklärte, dass die evangelische Kirche zwar Sterbehilfe ablehne, es gehe aber darum, dass man “gewissensbestimmt das tut, was einem das Gewissen sagt”.

Das war im Juni. Inzwischen schreiben wir November, und der Diskurs ist keinen Schritt weiter. Schneider – von dem jüngst geschrieben wurde, er wäre “das soziale Gewissen der EKD” – verurteilt noch immer die selbe Form der Sterbehilfe, bei deren Nutzung er seine Frau unterstützen würde. Andere in seiner Lage würden diese zum Anlass nehmen, ihre ethischen Überzeugungen mit den Fakten abzugleichen, und sich womöglich sogar fragen, ob man wirklich durch ein Verbot andere Betroffene daran hindern sollte, jene Liebe und Barmherzigkeit zu üben, derer man selbst gerühmt wird. Nicht so Herr Schneider, der wie die meisten Diskursteilnehmer aus dem Schlafe stammelt und den aufzuwecken eine Herzlosigkeit wäre.

Die erschreckende Tatsache, dass Leute, die doch nicht allesamt Populisten oder Idioten sein können, den Diskurs mit ihrem Gestammel beherrschen, ohne dass ihnen die Nebenstehenden Hände auf die Schultern legen und sie sanft beiseite führen, ist freilich marktwirtschaftlich erklärbar: Sie erfüllen ein Bedürfnis, indem sie uns darüber beruhigen, dass der Mensch eine Würde hat, weil er eben ein Mensch ist, dass der Tod bäh ist und dass die Gesellschaft vor jenen Renegaten geschützt werden muss, die sie durch die Ausführung ihres Austritts entwerten. Ganz richtig wird empfunden, dass jeder Suizid eine Beleidigung darstellt, gegen die sich die Gesellschaft posthum nur unzureichend wehren kann, sodass die ethische Forderung unausweichlich scheint: Das Leben muss lebenswert sein, der Suizid muss eine Ausnahme bleiben, für die man Erlaubnis auf dem Amtsweg einzuholen hat, wie stünden wir denn sonst da?

Und so ist es verständlich, dass die unbestrittene Forderung nach Ausbau der Palliativmedizin und des Hospizwesens den Zusatz “anstatt die aktive Sterbehilfe zu erlauben” bedingt, als handle es sich um einander ausschließende Alternativen. So ist es verständlich, dass selbst ein an sich gutartiger Kardinal unversehens in eben jenen Zynismus verfällt, den er anderen vorwirft. Und so ist es verständlich, dass nur noch im Schlaf gelallt wird, denn der Wachzustand wäre schlicht zu bedrückend.

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8. November 2014 at 15:27

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Das moralische Ebola

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Der südafrikanische Kardinal Wilfrid Napier twittert:

As I observe moral depravity spreading its pall of evil over society I’m reminded of the devastation visited upon West Africa by Ebola. Just as the West is pointing fingers at Africa for harbouring and spreading this physical menace, similar to the Plague, so is Africa pointing fingers at the West for exposing her to the moral Ebola of depraved lifestyles which include pornography.

“Hä hä”, sagt der Westen, “ihr krepiert!” – “Ja so!” versetzt Afrika: “Ihr aber seid Schweine!”

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8. November 2014 at 15:13

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Ein kluger Kopf

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Der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber war zu Gast in der Reihe „Kluge Köpfe“:

Von seiner geschliffenen Redegewandtheit konnten sich die Gäste bei seinem Vortrag über „Freiheit und Verantwortung“ am Mittwochabend in der evangelischen Kirche in Traisa überzeugen. (…) Freiheit könne nicht darin bestehen, über das Ende seines Lebens selbst zu bestimmen, schließlich habe man auch nicht über den Beginn seines Lebens bestimmen können, so Huber. (echo-online.de)

Ganz recht, Herr Huber. Und sollte Sie jemals ein Sarkom befallen, so denken Sie daran, dass Sie nicht über das Ende des Sarkoms bestimmen können, schließlich haben Sie auch nicht über seinen Beginn bestimmt. Erwägen Sie eine Operation? Bedenken Sie, dass Sie in Wahrheit gar nicht operiert werden wollen, sondern bloß: nicht leiden. Wenden Sie jetzt aber nicht ein, dass eben dieser Wunsch die Operation erfordert: Es ist schlimm genug, dass Mediziner, die ein zynisches Geschäft mit der Not der Kranken machen wollen, Ihnen einreden wollen, eine Operation würde Ihr Problem lösen; schlimmer noch ist die abschüssige Bahn, auf die Sie sich begeben würden. Lassen Sie sich heute ein Sarkom wegschneiden, kann es nicht lange dauern, bis Menschen gedrängt werden, subjektiv als störend empfundene Teile ihres Gehirns entfernen zu lassen und danach in Kirchen zu reden.

[Huber] warnte auch vor technologischen Entwicklungen, die die Freiheit gefährden können, und machte keinen Unterschied zwischen staatlichen Überwachungssystemen und sozialen Netzwerken.

Written by recotard

6. November 2014 at 23:17

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Drei höchst wertvolle Phasen für unser Menschsein

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Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Mediziner (ACM) ist ein überkonfessioneller Zusammenschluss von Ärzten, “die sich in ihrem Beruf vom Glauben an Jesus Christus leiten lassen wollen”. Sie warnt:

Wo gute Gründe die (Selbst-)Tötung erlauben, wird man bald bessere Gründe brauchen, um ein Weiterleben zu rechtfertigen. (PDF)

Die ACM gesteht also zumindest theoretisch zu, dass es gute Gründe für die (Selbst-)Tötung geben könnte. Sie ist aber der Meinung, dass diese guten Gründe nicht dazu führen dürfen, das Gutbegründete womöglich zu erlauben, denn sie scheint zu befürchten, dass es an den dann benötigten besseren Begründungen für sein Gegenteil mangeln würde. Dass diese Furcht nicht unbegründet ist, belegt sie selbst, etwa mit der Begründung o.a. These durch die folgende Statistik:

Im US-Bundesstaat Oregon habe sich seit der gesetzlichen Einführung der ärztlich assistierten Selbsttötung 1998 die Zahl der Fälle von 16 auf 85 im Jahr 2012 mehr als vervierfacht.

Ist es zu fassen? Seit die ärztlich assistierte Selbsttötung legalisiert wurde, hat sich die Zahl ärztlich assistierter Selbsttötungen mehr als vervierfacht. Mit dieser Enthüllung, die freilich keinen Vollsinnigen überraschen dürfte und die sie womöglich von Oliver Tolmein übernommen hat, gibt sich die ACM aber noch nicht zufrieden:

Wenn der (assistierte) Suizid mit einem „Sterben in Würde“ assoziiert wird, suggeriert dies, dass diejenigen, die davon keinen Gebrauch machen, nicht in Würde sterben.

Wer wollte es leugnen? Wenn man das Autofahren mit dem Begriff “Fahrkomfort” assoziiert, suggeriert dies, dass diejenigen, die den Bus nehmen, nicht komfortabel fahren, was die Busfahrer entwertet. So geht es in den Köpfen christlicher Mediziner zu, deren Zustand aber keineswegs als unwürdig zu bezeichnen ist:

Ein Mensch kann sehr wohl sich unwürdig verhalten oder unwürdig behandelt werden. Den Zustand kranker, behinderter, hilfsbedürftiger Menschen als „unwürdig“ zu bezeichnen, kommt aber einer Entwertung dieser Menschen gleich.

Wenn jemand sagt “ich will nicht alt, behindert, hilfsbedürftig werden”, so gilt dies der ACM – ihr zweites Argument in Folge, das sich an eine Willkürinterpetation des freilich von vornherein willkürlichen Wortes “Würde” klammert – als Entwertung. Sie scheint, wenn ihre Kritik irgend einen Sinn enthalten soll, damit auszudrücken, dass man so etwas nicht sagen und in Folge tunlichst auch nicht denken soll, womit dann mutmaßlich auch das Problem aus der Welt wäre. Die Selbstbestimmung wird ohnehin überschätzt:

Dabei ist schon natürlicherweise in vielen Phasen des Lebens die Fähigkeit zur Selbstbestimmung nicht gegeben, und dennoch sind z.B. Geborenwerden, Kleinkindalter und Schlaf höchst wertvolle Phasen für unser Menschsein und unsere Persönlichkeit.

Und sind wir im Kleinkindalter und im Schlaf nicht ohnedies am glücklichsten? Einerseits glaube ich ja durchaus, dass böse Absicht hinter alledem steckt und man danach trachtet, mich durch die Überfülle des Unfugs zu lähmen, andererseits aber bin ich wieder versucht, mir die ACM als tiefsinnigen Teenager zu denken, der derlei Sätze um zwei Uhr morgens erkenntnistrunken auf Facebook setzt. Jemand antwortet mit dem Foto der Orly-Eule, worauf die ACM traurig zu Bett geht und sich, geleitet vom Glauben an Jesus Christus, Mut zuzusprechen versucht:

Es gibt kein Leben ohne Spannung, ohne den Gegensatz von Wunsch und Wirklichkeit. Die Situation schwersten Leides stellt den Einzelnen und seine Umwelt vor größte Herausforderungen.

 

Written by recotard

4. November 2014 at 22:22

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