Recotard

They've got a god in the basement you can use.

Die spirituell-religiöse Begründung und die Plattheit

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Kardinal Reinhard Marx teilt mit:

Es sei fraglich, ob der Begriff der Menschenwürde ohne spirituell-religiöse Begründung Bestand haben könne.

Wo Marx recht hat, hat er recht.

Ein platter Laizismus sei auch für eine moderne Gesellschaft nicht angemessen.

Wo Marx irrt, hat er allerdings unrecht. Den Laizismus – den hygienischen Wunsch, Staat und Kirche getrennt zu halten – in plattere und tiefere Spielarten aufzuteilen, lohnt sich nicht: Wenn er dazu führt, dass wir den nebulosen Platzhalter “Menschenwürde” abschaffen und stattdessen etwas Greifbares finden, dann kann er gar nicht platt genug sein.

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29. Oktober 2014 at 17:33

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Christliche Lutscher, Dunkelheit und Angst

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Alle Jahre wieder:

Mit zahlreichen Aktionen versuchen evangelische Kirchen und Organisationen, die Aufmerksamkeit für den Reformationstag (31. Oktober) zu steigern. (idea.de)

Das ist ihr gutes Recht, und die nun u.a. als Ersatz offerierten “Luther-Lutscher” in den Geschmackrichtungen Erdbeere (süß) und Apfel (sauer?) irritieren nur, weil sie auf ihrer Verpackung ein Luther-Wort (“Wenn du ein Kind siehst, hast du Gott auf frischer Tat ertappt“) tragen, das weder in meiner digitalen Ausgabe seiner Werke aufscheint noch im Internet mit Quellenangabe zu finden ist. Aber wir wollen nicht kleinlich sein, droht doch mit der Konkurrenz durch Halloween eine ganz andere Gefahr, weshalb die Stiftung Marburger Medien auch initiativ wird. Sie

klärt in mehreren Verteilschriften über Halloween als „Fest der Dunkelheit und Angst“ auf. Das Werk bietet unter anderem bedruckte Tüten an, in die man Süßigkeiten füllen und Kindern weitergeben kann. Darauf heißt es, manche suchten an Halloween den Kontakt zu Satan und den Toten. Die Beschäftigung mit dämonischen Kräften könne „ganz schön gefährlich sein“.

Und während die Tüten für Kinder gedacht sind, warnt in einer Verteilschrift für Erwachsene (PDF) Jörg Kuhn, Redakteur bei ERF:

“Ich habe als Jugendlicher den Teufel als reale Macht erlebt, die mir vorerst nützlich schien, mich dann aber fast zerstörte.”

Denn, so erklärt die Verteilschrift, die natürlich Luthers Teufelsfurcht mit keinem Wort erwähnt,

nur zu schnell wird aus solchen “Spielchen” tödlicher Ernst. Denn wer mit übersinnlichen Erfahrungen herumexperimentiert, gefährdet Leib und Seele. Er setzt sich okkulten Einflüssen aus – den Einflüssen des Bösen.

Wozu noch Kürbisse und Horrorfilme, wenn der kosmische Endkampf um uns tobt?

Ganz klar warnt die Bibel davor, sich mit auf diese Gefahren spielerisch einzulassen. Es ist von einem Kampf zwischen den Mächten Satans und der Kraft Gottes die Rede. Satan, der Gegenspieler Gottes, setzt alles daran[,] das Leben der Menschen zu zerstören, indem er sie davon abhält[,] in einer persönlichen Beziehung mit Gott zu leben.

Die Beschäftigung mit dem Glauben kann ganz schön gefährlich sein. Nur zu schnell wird man von Dunkelheit und Angst umfasst, bis man Gott als reale Macht erlebt, mit der man in einer persönlichen Beziehung leben will. (Bei Katholiken findet sich auch die Formulierung “Intimität mit Jesus”.) Deshalb warne ich klar davor, mit religiösen Erfahrungen herumzuexperimentieren oder gar das Jubiläum der Teufelsseher mit 42 Millionen zu fördern. Wem aber übel wird, der halte sich an die bedruckten Tüten.

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28. Oktober 2014 at 18:45

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Unvorstellbare Erfahrungen in Augsburg und Afrika

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kath.net lehrt beten:

„Die Anbetung Gottes hat objektiv den größten Wert im Universum“, sagte der katholische Theologe Johannes Hartl (Augsburg), in einem Vortrag in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart. (…) In Augsburg habe man unvorstellbare Erfahrungen mit dem Gebet gemacht. So sei dort die Straßenprostitution verboten worden, nachdem man sie zum Gebetsanliegen gemacht habe.

Man sollte aber nicht meinen, Gott wäre ein Spaßverderber: Zum Ausgleich hat er den Augsburgern immerhin 130 Bordellwohnungen erlaubt. Und nicht nur das:

 Er schilderte den Besuch einer Gruppe südkoreanischer Christen. Sie seien auf einer Gebetstour durch Europa gewesen und hätten den Eindruck gehabt, dass über Deutschland „eine dicke, dunkle Bleidecke“ liege, die die Wirksamkeit der Christen massiv einschränke. Im Gebet sei ihnen klar geworden, dass es einen Ort gebe, wo diese Decke durchdrungen werde: Augsburg.

Vor Augsburg muss also gewarnt werden, aber auch vor dem

„geistlichen Bollwerk der Überheblichkeit der menschlichen Vernunft“. In Afrika erlebten die Menschen stärker das übernatürliche Wirken Gottes, weil es dieses Bollwerk dort nicht gebe.

Und das lässt sich gewiss nicht leugnen:

In Liberia, more than 100 Christian leaders meeting in early August declared that God was angry and Ebola a plague. They called for prayers to seek God’s forgiveness for sins including corruption and immoral acts such as homosexuality.

 

Written by recotard

28. Oktober 2014 at 10:57

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Ein Bischof findet Worte

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In einem Beitrag für das Magazin Elan (Ausgabe 3/14, “Herbst”, hier als PDF, verbreitet heute vom epd) ruft Bischof Karl-Hinrich Manzke aus:

Die Würde des Menschen wird in bedenklicher Weise verkürzt, wenn sie mit Selbstbestimmung gleichgesetzt wird. Wir Menschen sind keine reinen Vernunftwesen.

Diesen Satz habe ich bereits am 7.9. besprochen, damals allerdings unter dem Autorennamen des Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe. Und siehe da, es ist nicht die einzige Ähnlichkeit zwischen beiden Texten. Wohlgemerkt, Manzke hat nicht etwa Gröhes Text irrtümlich für sein eigenes Manuskript gehalten und gedankenverloren unterschrieben, im Gegenteil finden sich jede Menge Varianten und Revisionen. So lesen wir bei Gröhe:

Auf diese existenziellen Fragen gibt es keine einfachen Antworten. Sie fordern zu vertieftem Nachdenken und zu ernsthaftem Diskutieren auf.

Während Manzke nuanciert wie folgt:

Auf diese existenziellen Fragen gibt es keine schnellen und einfachen Antworten. Sie erfordern ein vertieftes Nachdenken und ernsthafte Gespräche.

Mitunter klingt der Bischof gespreizter als der Minister.

Unser Ziel muss vielmehr sein, Selbstbestimmung und Lebensschutz zusammenzudenken, einen Weg zu finden, um beides angemessen zu berücksichtigen.

Soweit Gröhe. Manzke macht daraus:

Das Ziel in der öffentlichen Debatte muss vielmehr sein, menschliche Selbstbestimmung, auch über den letzten Schritt zum Freitod, und unbedingten Lebensschutz zusammen zu denken und in einen Ausgleich zu bringen. Es muss ein Weg gefunden werden, um beides angemessen zu berücksichtigen.

Andere Änderungen sind subtiler. Gröhe:

Nun haben sich die medizinischen Möglichkeiten in den letzten Jahrzehnten so rasant entwickelt, dass nicht wenige Menschen Angst haben, in ihrer letzten Lebensphase einer Apparatemedizin ausgeliefert zu sein, die ihr Sterben unnötig verlängert.

Manzke:

Nun haben sich die medizinischen Möglichkeiten in den letzten Jahrzehnten so gewaltig entwickelt, dass nicht wenige Menschen Angst haben, in ihrer letzten Lebensphase einer “Apparatemedizin” ausgeliefert zu sein, die ihr Sterben unnötig verlängert.

Weitere Stilkritik muss an dieser Stelle allerdings unterbleiben, denn so viel Zeit habe ich nicht. Bei näherem Vergleich der Texte Gröhes (links) und Manzkes (rechts) ergibt sich nämlich folgendes Bild:

Man sieht: Für die Mehrzahl der Sätze Manzkes finden sich im (etwa doppelt so langen, hier nicht komplett abgebildeten) Text Gröhes vertraute Vorbilder. Von den vier Passagen, die sich nicht so oder ähnlich bei Gröhe finden, lautet die erste:

Manchmal wird in der Debatte um den Umgang mit Sterbenden das Prinzip der absoluten Selbstbestimmung des Menschen – “mein Tod gehört mir” – überreizt.

Die zweite betont den kirchlichen Antagonismus gegen die organisierte Sterbehilfe (der auch später zur Sprache kommen wird), die dritte behandelt – wie ein an vergleichbarer Stelle bei Gröhe stehender Abschnitt, aber mit eigenen Worten – die Patientenverfügung, und die vierte lautet:

Deutlich ist aber: die Kirchen in Deutschland haben sich sehr deutlich gegen jede Form von organisierter Sterbehilfe ausgesprochen.

Was im darauf folgenden, gröhe-ähnlichen Absatz auch gleich noch ein weiteres Mal betont wird.

An dieser Stelle packte mich nun die Sorge, ob die Angelegenheit denn wirklich so einfach wäre. Was, wenn der Text nicht vom 1.9. (Gröhe) datiert, sondern früher nachweisbar wäre? Etwa am 18.7., als in einer Rede vor der Evangelischen Akademie Bad Boll die Sätze fielen:

Ich denke, man reduziert die Würde des Menschen in bedenklicher Weise,  wenn man sie mit Selbstbestimmung gleichsetzt. Wir Menschen sind keine reinen Vernunftwesen.

Sprecherin war Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit. Die Vermutung liegt nahe, dass wir damit Gröhes Ghostwriter identifiziert hätten; kurioserweise kommt in der Rede vor der Evangelischen Akademie aber noch nicht, wie später bei Gröhe und noch später bei Manzke, der barmherzige Samariter vor.

Ich stelle diese Fakten aber bereit, ohne sie interpretieren zu können. Was ansonsten noch hinter den Kulissen geschehen sein mag, weiß ich nicht: Selbst ein Wirken des Heiligen Geistes kann nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Die Frage ist nicht, ob der Bischof vielleicht abgeschrieben hat, sondern: Wie es zugehen kann, dass ein Bischof und ein Bundesminister die selben Worte finden. Denn ob sie einer vom anderen hat oder nicht: In jedem Fall spiegeln sie ja die Meinung der Männer wieder, die als ihre Autoren zeichnen. Und diese Durchwirkung des Staates mit religiöser Ideologie stellt den Skandal dar, der ein vertieftes Nachdenken und ernsthafte Gespräche erfordert.

Written by recotard

26. Oktober 2014 at 13:17

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Nicht alle sind Atheisten

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Auf domradio.de findet Pfarrer Gregor Giele eine neue Definition für einen alten Begriff:

domradio.de: Für uns im rheinischen Köln ist es nicht vorstellbar: Mehr als 80 Prozent der Menschen in Leipzig haben mit dem Christentum nichts oder wenig am Hut. Sind das denn alles Atheisten?

Giele: Atheisten sind wahrscheinlich nur eine sehr kleine Gruppe, mit denen wir als Christen auch gut ins Gespräch kommen können, weil sie die Frage nach Gott stellen, sie geben nur eine andere Antwort. Das heißt, wir haben denselben Fragehorizont, nur unterschiedliche Ansätze. Da kann man gut und leicht ins Gespräch kommen. Die Mehrheit sind Menschen, die die Frage nach Gott scheinbar gar nicht stellen, für die das gar kein Thema ist, wo wir nicht einmal eine gemeinsame Gesprächsgrundlage haben. Die müssen wir erst schaffen, dass sich die Menschen auch auf diese Sinnfrage, auf die Gottesfrage überhaupt einlassen. Desinteresse oder Unkenntnis sind für uns wahrscheinlich die größere Fragestellung als der Atheismus.

Wer keine Kenntnis von der Gottesfrage hat oder sich nicht dafür interessiert, ist demnach kein Atheist, und Zweck des Katholikentages wird es nicht zuletzt sein, dass sich die Menschen auf die Gottesfrage einlassen. So weit, so gut: Dass die Kirche auf diese Weise den Atheistennachwuchs fördern will, begrüße ich ebenso, wie ich ihren Schmerz darüber verstehen kann, dass die große Mehrheit sie nicht einmal mehr ernst genug nimmt, um die Gottesfrage überhaupt zu stellen. Nur dass Giele und ich den selben Fragehorizont haben, glaube ich nicht.

Written by recotard

22. Oktober 2014 at 23:55

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Die Diktatur des Wunsches, auf dem Parkplatz zu sterben

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Man wird bemerkt haben, dass meine Beiträge zum Thema Sterbehilfe immer öfter zum Zitat schrumpfen. Dies hat seine Ursache nicht zuletzt darin, dass auch ich nicht auf alle Bedenken eine Antwort weiß. So fehlen mir etwa die Worte, mit denen ich Pfarrer Frank Nico Jaeger begegnen könnte, der in seiner Predigt zur Differenzierung aufruft:

Natürlich hat die Forderung nach „einem selbstbestimmten Sterben“ ihre Berechtigung, allerdings muss man dann darüber nachdenken, dass wer diese Forderung absolut setzt, verkehrt die individuelle Freiheit aller Menschen in die Diktatur der jeweils mächtigeren Interessengruppe. Gilt der Wunsch, auf einem Parkplatz sein Leben beenden zu wollen, auch dann noch uneingeschränkt, wenn nebenan Kinder spielen?

Written by recotard

21. Oktober 2014 at 19:04

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Die Regelung

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Oliver Tolmein – jener romantische Anwalt, der unlängst eine Trivialisierung des Todes befürchtet hat – berichtet in der FAZ über die Sterbehilferegelung des US-Bundesstaates Oregon. Es ist nämlich so: Früher gab es in Oregon keine Regelung, die es Ärzten erlaubt hätte, tödliche Medikamente zu verordnen. Dann aber wurde eine solche Regelung eingeführt. Und was war die Folge?

Trotz dieser vergleichsweise strengen Anforderungen hat sich die Zahl der tödlichen Verordnungen in Oregon seit Einführung der Regelung vervielfacht.

kubin35

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20. Oktober 2014 at 23:51

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Und wieder einmal zum Thema Sterbehilfe

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Die Sterbehilfediskussion geht weiter, wird aber nicht niveauvoller. Immerhin sei lobend erwähnt, dass ausgerechnet Stefan Rehder von der katholischen Tagespost ein Hauptproblem des Positionspapiers von Hintze u.a. korrekt benennt:

So heißt es in [dem Positionspapier] unter anderem: „Die Würde des Anderen zu achten, schließt mit ein, den Anderen als einen selbstbestimmten, zu eigenverantwortlichen Entscheiden befähigten Menschen anzuerkennen und dessen Leiden abzuwenden.“ Im weiteren Verlauf heißt es dann jedoch an anderer Stelle: „Ein ärztlich assistierter Suizid kommt nur in Fällen einer irreversibel zum Tode führenden Erkrankung und einer daraus resultierenden extremen Leidenssituation in Betracht.“ Ist also der liebeskranke, insolvente, lebensmüde Mensch niemand, der zu „selbstbestimmten“ und „eigenverantwortlichen Entscheiden“ fähig ist? Und falls nicht, warum soll dann ausgerechnet jemand, der tödlich erkrankt ist und unter Schmerzen leidet, zu eben solchen sehr wohl fähig sein?

Wiewohl diese Erkenntnis Teil eines klar gegen jede Liberalisierung eintretenden Artikels ist, in dem obendrein auch schauderhafter Unfug steht, gestehe ich, mich über sie als einen kleinen Funken gesunden Menschenverstandes gefreut zu haben – wenngleich vielleicht nur deshalb, weil ich zuvor im ARD gesehen hatte, wie Franz Müntefering bei Jauch den Satz prägte:

Sterben kann gelingen.

 

Written by recotard

20. Oktober 2014 at 13:23

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Das Leid gehört mit dazu

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Martin Lohmann, der uns schon begegnet ist, informiert:

Jeder von uns wird einmal sterben. Ich sage noch einmal: Das Leid gehört mit dazu. Wir tun manchmal so in der öffentlichen Darstellung oder Diskussion von Sterbehilfe, als könne man sozusagen die dunkle Seite des Lebens abschaffen. Die ist manchmal tatsächlich sehr dunkel auch in den letzten Stunden, den letzten Monaten, der letzten Phase des Lebens. Aber ich bin gegen eine Unkultur des Todes und des Tötens und für eine Kultur des Lebens, und deshalb geht es darum, den Menschen nahezutreten.

 

Written by recotard

17. Oktober 2014 at 23:04

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Nein, diese Feministinnen!

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Gabriele Kuby in einem polnischen Vortrag (in dem sie auch wieder darauf hinweist, dass Judith Butler Jüdin und Lesbe ist, im Video ab 7:45):

Die Grundaussage [des Feminisimus] ist: Non serviam, ich will nicht dienen.
Die feministische Frau will nicht Gott dienen,
nicht dem Leben dienen,
nicht dem Mann dienen,
nicht dem Kind dienen. (ab 12:50)

 

Written by recotard

16. Oktober 2014 at 21:58

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