Recotard

They've got a god in the basement you can use.

Würde und Freiheit als Ausnahmen

leave a comment »

Auch der Sprecher der Humanistischen Alternative Bodensee, Dennis Riehle, hat eine Meinung zur Sterbehilfe:

“Wenn Juristen staatliches Totalversagen ungesühnt lassen und stattdessen die Opfer dadurch bestrafen, dass sie den Ausweg des unterstützten Selbstmordes gar noch rechtlich abnicken, kann sich schon bald der Depressive, der keine Therapie erhält, ebenso wie der in Armut Lebende, der Opfer von Sozialleistungskürzungen geworden ist, schon bald den offiziell anerkannten Freibrief zum begleiteten Suizid abholen. (hpd.de)

Ein belgischer Sexualstraftäter will sterben, weil er die ihm zustehende Therapie nicht erhält, deshalb dürfen wir die Sterbehilfe nicht zulassen. Sonst könnte womöglich jeder, der depressiv oder arm ist, sanktioniert sterben. In einer besseren Welt wäre niemand unbehandelt oder arm, aber da die Welt nun einmal so ist, wie sie ist, verbieten wir doch besser ihre Symptome. Ein naiver Mensch könnte sich an dieser Stelle Gedanken über die Anmaßung machen, den von Misständen Betroffenen vorschreiben zu wollen, wie sie damit umzugehen haben, aber Riehle tappt lieber ins nächste Näpfchen:

Riehle unterstreicht, das für ihn Sterbehilfe keine pauschale Lösung für Perspektivlosigkeit sein kann: “Wenn wir dem Menschen die Würde und die Freiheit geben möchten, dass er selbst über das Ende seines Lebens bestimmen kann, muss dies auf Ausnahmen beschränkt bleiben.”

Denn wenn jeder die Freiheit hat, dann gescheht was? Ich weiß nicht, was Riehle befürchtet; fest steht nur, dass er das Leben bejaht. Wenn andere es verneinen, ufert ihr freier Wille aus:

Für Riehle ist sein humanistisches Weltbild eines, das Leben bejaht. “Deshalb können aktive und passive Sterbehilfe – die zu leisten einem bestimmten Personenkreis vorbehalten sein muss, ohne daraus Profit oder organisierte Machenschaften zu entwickeln – niemals zur Selbstverständlichkeit werden. Hier muss man den Menschen auch vor gewissen Ausuferungen seines freien Willens schützen”, betont der HABO-Sprecher.

Somit wäre einerseits die Aufgabe des Staates definiert, andererseits der Tod einmal mehr vor der schnöden Sphäre des Gewerbes geschützt. Uns bleibt nur, das Ideal der “Lebensbejahung” zu bestaunen, das schon durch seine bloße Existenz davon kündet, dass die ganze Sache stinkt. Es ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn Riehle allen seinen Fährnissen und Leiden zum Trotz sein Leben bejahen will, und es geht uns nichts an, ob er diesen Vorsatz aus philosophischen Erwägungen, aus Instinkt oder vielleicht aus ganz anderen Gründen gefasst hat. Riehle verdient – wie jeder Mensch – Unterstützung, jedenfalls aber Akzeptanz auf dem von ihm gewählten Weg. Man muss ihn aber vor gewissen Ausuferungen seines freien Willens schützen, die ihn dazu bewegen, andere Menschen vor deren freiem Willen schützen zu wollen.

Written by recotard

29. September 2014 at 23:57

Veröffentlicht in dessen

Tagged with

Selbstbestimmung als Fetisch und Vorstellung

with one comment

Malte Lehming denkt über den Inzestvorstoß des Ethikrates nach und weiß drei Argumente dagegen. Das erste Argument ist ein wenig wunderlich: Lehming erkennt, dass, gibt man den Inzest frei, auch konsequenterweise die Polygamie erlaubt werden müsste. Diese Aussicht scheint ihm nicht zu behagen, aber wir erfahren leider nicht, warum, denn er geht zum zweiten Argument über. Das ist freilich auch kurios:

Der Rebellionsimpuls gegen Fremdbestimmung (habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen) muss sich mäßigen lassen durch verständige Akzeptanz sozialer und moralischer Strukturen. Sexuelle Selbstbestimmung sollte wie keine Selbstbestimmung zum Fetisch werden. Das hat zuletzt die Debatte über die Beschneidung gezeigt. Der beschnittene Säugling wird zweifellos fremdbestimmt. Dennoch ist das elterliche Recht auf Religionsfreiheit gewichtiger als das kindliche Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Sapere aude! rief Kant, der alte Rebell. Aber er muss sich mäßigen lassen: Wo kämen wir denn da hin, wenn die Selbstbestimmung zum Fetisch würde? Der Fetisch, ein unbelebtes Ding, das religiös verehrt wird, mag auf den ersten Blick wenig Ähnlichkeiten mit dem Kantschen Ideal haben, aber Lehming hilft uns, indem er Jehovah zum Zeugen aufruft. Selbstbestimmung kann zum Fetisch werden: Darin unterscheidet sie sich offensichtlich vom elterlichen Recht auf Religionsfreiheit, das als soziale und moralische Struktur zu akzeptieren ist. Und damit nicht genug, gibt es ja auch das dritte Argument:

Wenn der Vater seine eigene Tochter oder der größere Bruder seine kleinere Schwester vergewaltigt, kann er sich bei geltendem Inzest-Verbot nie damit herausreden, dies sei einvernehmlich gewesen. Fällt das Tabu, öffnet sich die Möglichkeit dieser Ausrede.

Das ist nun freilich so dumm, dass man zuerst schwankt und überlegt, ob Lehming womöglich den ganzen Artikel ironisch meint, ehe man sich erinnert, dass er schon bei früherer Gelegenheit unangenehm aufgefallen ist (“Warum muss Homosexualität akzeptiert werden, nicht aber Polygamie?”). Vielleicht kann sich Lehming wirklich nicht vorstellen, dass die handelnden Personen unter Umständen einvernehmlich beschließen könnten, das Inzest-Verbot schlichtweg zu ignorieren. Und vielleicht weiß er tatsächlich nicht, dass Vergewaltigung schon jetzt verboten ist – ganz gleich, in welchem Verhältnis Täter und Opfer zueinander stehen. Ja, womöglich ahnt er nicht einmal, dass sich Vergewaltiger schon seit jeher mit Einvernehmlichkeit herausreden wollen. Aber selbst wenn das alles zutrifft, bleibt immer noch unklar, warum man ihn Artikel schreiben lässt.

Written by recotard

27. September 2014 at 17:34

Veröffentlicht in dessen

Tagged with , ,

Die journalistische Verantwortung und ihre Grenzen

with 3 comments

Dieser Text ist für empfindsame Leser nicht geeignet.

Zwei Menschen werden vermisst, vieles deutet darauf hin, dass sie tot sind. Die Aufgabe von Journalisten ist klar: objektiv und wahrheitsgetreu über das Geschehen zu berichten. Das gehört zu unserem Beruf. Wir überbringen Todesnachrichten und Schreckensmeldungen, beispielsweise aus den Kriegen in Nahost und der Ukraine, aus den Ebola-Gebieten, von Unfällen bei Skirennen oder der Formel 1. Wir ordnen ein, was passiert ist, analysieren die Ursachen, erklären die Folgen. Wir stellen die eigene Betroffenheit und Trauer zurück.
Bei den vermissten Extrembergsteigern Sebastian Haag und Andrea Zambaldi fällt uns das schwer. Es fällt uns schwer, nur unserer Arbeit nachzugehen und nüchtern zu berichten. (spiegel.de)

So schwer nun die Vorstellung fällt, dass es tatsächlich Aufgabe von Spiegel-Journalisten sein soll, objektiv und wahrheitsgetreu darüber zu berichten, dass jemand, von dem man ansonsten gar nichts wüsste, ohne Not auf Berge steigt, auf denen er nichts zu suchen hat, so obszön und widerlich wird dieser durchaus symptomatische Dreckstext, wenn er irgendwelche Sportunfälle beiläufig mit Todesnachrichten und Schreckensmeldungen aus Kriegen und Ebola-Gebieten gleichsetzt und unter dem Vorwand zweier Leichen über sich selbst berichtet:

Nun stellt sich uns die Frage noch deutlicher als bei anderen Ereignissen: Welche Verantwortung bringt eine so intensive Berichterstattung mit sich? Befeuern wir gar durch die Aufmerksamkeit einen Trend – höher, schneller, weiter, riskanter? Was treibt uns? Und haben wir die Idee mit vorangetrieben?
Es gibt einfache Antworten auf diese Fragen, aber das sind selten die besten. Verzicht wäre eine Möglichkeit: einfach nicht mehr berichten. Doch die Grenze zur Ignoranz wäre fließend. Und würden wir der journalistischen Verantwortung gerecht, indem wir Themen einfach ausblendeten? Extremsportler führen uns immer wieder vor Augen, wozu Menschen in der Lage sind. Sie können uns begeistern: durch Mut, Selbstdisziplin, Teamgeist, das Ausloten von Grenzen. Indem sie Grenzen überschreiten, erschließen sie uns neue Welten.

Journalisten führen uns immer wieder vor Augen, wozu Menschen in der Lage sind, denen man – ich überschreite eine Grenze – ins Hirn geschissen hat. Sie verklären irgend eine komplett gleichgültige Privatpassion zu einem Drama, das gleichwertig neben einem Haufen Kriegstoter steht; wenn die Sache in die Hose geht, treten sie schniefend vor und posieren mit ihrer Betroffenheit. Die Grenze zur Ignoranz ist längst überschritten, wenn man das für journalistische Verantwortung hält, anstatt sich still zu schämen und Prospektausträger zu werden. Doch indem die Redaktion Grenzen überschreitet, erschließt sie uns die schöne neue Welt des Qualitätsjournalismus, der sich über die angeblichen Werte Mut, Selbstdisziplin und Teamgeist selbst dann, nein: vor allem dann begeistert, wenn jemand in Folge dieser Werte – und wir unterstellen hier, dass Hybris und Langeweile keine Rolle gespielt haben – freiwillig das Risiko eines Todes in Kauf nimmt, der, wenn eingetreten, weniger tragisch und weniger berichtenswert ist als der des ärmsten, anonymsten Kriegs- oder Ebola-Opfers, das nie eine Grenze ausloten wollte. Was aber spiegel.de angeht:

kotzender hund

Written by recotard

27. September 2014 at 10:12

Veröffentlicht in dessen

Tagged with , ,

Die DBK und der Tod

with one comment

Die deutsche Bischofskonferenz teilt mit:

Die Deutsche Bischofskonferenz hat immer betont, dass sich das auch im Christentum dem Menschen zukommende Recht auf Selbstbestimmung nicht auf das eigene Leben beziehen kann.

Das ginge auch wirklich zu weit. Die DBK begründet nun ihre Ablehnung der Sterbehilfe wie folgt: Seine unantastbare Würde erlaubt dem Menschen als Gottes Ebenbild zwar nicht, über sein eigenes Leben zu bestimmen. Aber sie erlaubt ihm dafür, auch im Sterben sein Leben zu bejahen und seinen Tod anzunehmen. Ich scherze nicht: Hier ist der O-Ton.

Aus Sorge um den Menschen setzen sich Christen dafür ein, dass das Leben eines jeden Menschen – gerade auch in der Nähe des Todes – bis zuletzt geschützt wird. Sie glauben daran, dass wir alles, was ist, Gott verdanken. Gott hat den Menschen als sein Abbild geschaffen und ihm eine unantastbare Würde verliehen. Diese Würde gründet nicht in seiner Leistung oder in dem Nutzen, den er für andere hat. Die Würde des Menschen folgt daraus, dass Gott ihn bejaht. Aus dem Wissen um Gottes Zuwendung und Liebe heraus darf und kann der Mensch auch im Leiden und im Sterben sein Leben bejahen und seinen Tod aus Gottes Hand annehmen.

Dass Gott die deutsche Bischofskonferenz bejaht, liegt nun gewiss nicht in ihrer Leistung oder in dem Nutzen, den sie für andere hat, begründet. Doch eben weil er sich ihr zuwendet und sie liebt, ist es nicht nett von ihm, schweigend dabei zuzusehen, wie sie mit großer Geste verkündet, dass Begriffe wie Würde und Selbstbestimmung eigentlich das genaue Gegenteil von dem meinen, was man sich so darunter vorstellen könnte. Ich schlage aber ungern auf ein totes Pferd ein, das wäre würdelos, und das Paradoxon, dass wir ggf. eben das, was uns das Leben fliehen lässt, Gott verdanken, ist so offensichtlich, dass man meinen sollte, es wäre selbst der DBK bewusst. Doch sie konzediert immerhin:

Anfang und Ende des Lebens sind der Verfügung des Menschen entzogen. Das bedeutet, dass der Tod nicht herbeigeführt, wohl aber zugelassen werden darf.

Dies aber könnten wir nicht einmal der Schmauswaberl erzählen (wienerisch für: nicht einmal dem leichtgläubigsten Menschen weismachen): Dass sich einmal 66 reifere Herren in schwarz in Fulda trafen und beschlossen, dass der Tod immerhin zugelassen werden dürfe. “Da bin ich aber erleichtert”, atmete der Tod da erleichtert auf und kletterte vom Apfelbaum. Die DBK aber bemerkte bitter:

Die Diskussion ist schwieriger geworden.

Written by recotard

25. September 2014 at 19:32

Veröffentlicht in dessen

Tagged with , ,

Niederschwellige Vermittlung

leave a comment »

Caritas Socialis lädt zu “demenzfreundlichem Gottesdienst”:

In drei Projektgruppen wird an den Themen “Solidarität im öffentlichen Raum”, “niederschwellige Vermittlung von Demenz” und dem Projekt “demenzfreundlicher Gottesdienst und Marktplatz” gearbeitet, so die Aussendung.

Written by recotard

18. September 2014 at 10:58

Veröffentlicht in dessen

Tagged with

Mors praecox

with one comment

Der CDU-Abgeordnete Michael Brand differenziert:

Die palliative Sedierung will Schmerzen ausschalten, nicht Leben „ausknipsen“. Der Tod kann dabei als Nebenwirkung eintreten, ist aber niemals Ziel – das ist der entscheidende Unterschied.

Der Tod als Nebenwirkung ist also strikt zu unterscheiden vom über das Ziel hinaus schießenden sog. vorschnellen Tod (mors praecox):

Beim Kampf gegen vorschnellen Tod kommt es auf mehrere Ebenen an: gesetzlich muss organisierte Suizidbeihilfe gestoppt werden. Zugleich müssen erhebliche Verbesserungen von Palliativmedizin und Hospizen erreicht werden.

Der Tod darf nicht vorschnell kommen. Denn:

Mir liegen Berichte und sehr persönliche Briefe vor, dass Ältere und Kranke einfach Angst haben, später zum Suizid gedrängt zu werden.

Nehmen wir das Argument ernst. Es gibt Menschen, die unter der schrecklichen Angst leiden, dass sie in ihren schwachen Tagen von gewissenlosen Aasgeiern umgeben sein könnten, die sie zum Suizid drängen. Ist diese Angst realistisch? Handelt es sich vielleicht um anekdotische Einzelfälle ohne Beweiskraft? Nein: Brand und jene, die argumentieren wie er, wissen, dass die Menschen sündig und schwach sind. Reicht man ihnen eine Waffe, dann schießen sie. Weder Christentum noch Aufklärung, keine Philosophie und keine Herzensregung haben es vermocht, etwas an der grundsätzlichen Dreckigkeit unserer Gattung zu ändern: Es gibt kein Ideal, das sich nicht im Handumdrehen in sein Gegenteil verwandeln könnte, und so muss auch das Recht auf den eigenen Tod, für das ich vorschnell plädiert habe, unversehens zur abgenötigten Pflicht werden. Nein, Freiheit ist ein trügerischer Traum: Damit wir nicht auf der abschüssigen Bahn Amok laufen, müssen dringend Sperren errichtet werden. Denn wir wollen natürlich niemandem auch nur einen Tag von seinem Leben in dieser irdischen Hölle, “welche die des Dante dadurch übertrifft, dass einer der Teufel des anderen sein muss” (Schopenhauer), abzwacken.

Written by recotard

15. September 2014 at 18:06

Veröffentlicht in dessen

Tagged with

Missionieren, aber richtig!

with 5 comments

Es gibt im Christentum Dinge, die ich nicht verstehe. Dinge, die sich nicht einfach wegrationalisieren oder -psychologisieren lassen. Dinge, die dem menschlichen Verstand unfassbar sind und dabei dennoch unleugbar und unübersehbar. Ich rede natürlich von Youcat.

Youcat ist, so Wikipedia, der 2011 veröffentlichte offizielle Jugend-Katechismus der römisch-katholischen Kirche. Das Werk findet in der katholischen Jugendarbeit weltweit Verwendung und ist in 30 Sprachen erschienen. Und weil Youcat für die Jugend gedacht ist, werden wir auf der offiziellen Homepage auch geduzt:

Hallo, und guten Tag! Ihr seid auf der internationalen YOUCAT-Seite gelandet! Hier findet Ihr alles, was Ihr über den Jugendkatechismus der Katholischen Kirche wissen möchtet. Das Buch wurde zusammen mit Jugendlichen entwickelt. Weltweit sind daraus Gesprächsgruppen und neue Initiativen daraus entstanden. Ihr könnt mitmachen!

Wäre ich ein Jugendlicher, fände ich das vielleicht gut: Hey, die Kirche ist ja gar nicht verstaubt, sie spricht mit uns, in unserer Sprache! Und dann würde ich mich neugierig durch die Youcat-Seite klicken, wo ich auch wirklich alles finde, was ich über Youcat wissen möchte – mit der einzigen Ausnahme des Youcat: Der ist weder online zu lesen noch downloadbar. Ich erfinde das nicht: Während selbst der olle “normale” Katechismus online ist, erwartet man von den Jugendlichen des 21. Jahrhunderts, denen man doch die Lehre der Kirche nahe bringen will, tatsächlich, dass sie das Buch für 12,99 € kaufen. Wäre ich ein Jugendlicher, wäre dies die Stelle für ein FAIL-Meme und der Beginn einer langen Karriere im Relativismus, selbst wenn mir, weil ich das Buch nicht kaufen würde, das Vorwort Benedikts nicht bekannt wäre, wo er sagt:

Ihr wisst alle, wie tief die Gemeinschaft der Glaubenden in letzter Zeit verwundet wurde durch Attacken des Bösen, durch das Eindringen der Sünde selbst in das Innere, ja das Herz der Kirche. Nehmt es nicht zum Vorwand, Gottes Angesicht zu fliehen! Ihr selbst seid der Leib Christi, die Kirche!

Written by recotard

14. September 2014 at 12:18

Veröffentlicht in dessen

Der Genderismus und seine Feinde

with 5 comments

Gabriele Kuby gibt ein Interview:

I think this issue of sexuality is the main attack on the dignity of the human being, and on society as a whole, because if a society lets go of its morality in general, and especially in the area of sexuality, it tumbles into anarchy and chaos, and this can result in a new totalitarian regime by the state.

Moral bedeutet in diesem Kontext der Menschenwürde natürlich, dass nicht jede/r wild durcheinandervögeln darf, denn

if we give up our identity as a man or a woman, and say there is no such identity, then of course the whole sexual order collapses, and anybody can have sex with anybody -

es reißt die Fessel, es rennt der Wolf, obwohl wir doch die Mehrheit sind:

more than 97 percent of the population of this earth is heterosexual and has an instinctive rejection of homosexuality. The people who push the gender agenda around the world of course have to start with very young children and teach them that any kind of sexual orientation is equally valid.

Wer aber sind die finsteren Mächte, die unseren Kindern solchen Irrsinn einreden und ihre instinktive Ablehnung der Homosexualität rauben wollen?

Don’t ask me who these forces are, but I see this revolution taking place at a global scale, with a clear intent to destroy the basis of the family. The destruction of the family uproots every single human being. We become atomized human beings who can be manipulated to do anything.

Und es ist ja in der Tat nicht auszudenken, zu welchem Unheil etwa die Deutschen manipuliert worden wären, hätten die Nazis, anstatt Mutterkreuze zu verleihen und Schwule ins KZ zu stecken, die Zerstörung der Familie vorangetrieben. Nein, es ist einfach krank und kriminell:

If you do not identify with your sex as a man or woman – such a situation is called transsexuality – this is officially recognized as a psychological disorder. From a criminological point of view, if you can change between man and woman, it will be pretty difficult to identify people.

Vielleicht unterschätzt Frau Kuby die Kriminologen ein wenig, denen noch andere Mittel zu Gebote stehen als den Verdächtigen zwischen die Beine zu greifen. Aber übergehen wir diese Details und halten fest, was Sexualerziehung tatsächlich bedeutet:

I had a wonderful opportunity to visit Pope Benedict emeritus, and he said sex education is not only brainwashing, it is also “soul-washing.”

Holy shit. Wieso diese knieschlotternde Furcht? Wieso heulen die, sagen wir: Wertkonservativen auf, als wäre der Genderismus der Stall, aus dem die apokalyptischen Reiter geschminkte Pferde leihen, weil die Endzeit naht, wo die siebenköpfige Wurst unrasiert am Horizont erscheint und Kinder ihre Eltern mit den Dildos erschlagen, die man ihnen im Sexualkundeunterricht überreicht hat? Gewiss: Der Genderismus mag sich als alberne Modeerscheinung erweisen, die auf ein paar möglicherweise diskutablen Grundideen ein exzessüberwuchertes Konstrukt errichtet, hierin allen anderen Ideologien aus Menschenköpfen nicht unähnlich. Vielleicht ist er sogar tatsächlich eine neue Religion, was religiöse Kritiker besonders erschreckt. Man kann ihn gewiss kritisieren. Aber: Kritiker wie Frau Kuby können es nicht.

Diese Erkenntnis erleichtert ungemein. Wir müssen es nicht rechtfertigen, Kindern beizubringen, dass Schwulsein keine Tragik ist, und es explizit verdammen, wenn man ihnen Dildos oder Bibeln in die Patschhändchen drückt. Auch muss man Judith Butler nicht lesen. Es langt durchaus, zu wissen, dass Gabriele Kuby, wenn sie Butlers Namen nennt, hinzufügt, dass Butler Jüdin und Lesbe ist. Im Ernst: Das reicht. Man erkennt, dass ein Dialog selbst dann sinnlos wäre, stopfte man sich zuvor Watte in die Nase und nähme Baldrian, bis die Hauskatze rabiat wird.

Das soll freilich nicht bedeuten, dass Kuby & Co. zu ignorieren wären. Denn der wahre Kampf geht natürlich – wie schon aus dem heil- und hirnlosen Durcheinander aus Schwulenehe, Sexualkunde, Volkstod, Pädophilie und Gott abzulesen ist, mit dem die Verteidiger des Abendlandes operieren – um die Deutungshoheit. Die Deutungshoheit ist ein Wert an sich, zu ihrer Eroberung ist jedes Mittel recht und nötig, und durch eine ggf. beweisbare Stichhaltigkeit der Deutung würde sie nicht gestärkt, sondern im Gegenteil geschwächt. Denn Argumente gehen zwölf aufs Dutzend – ich mache mich anheischig, gegen eine Professur in Regensburg binnen Jahresfrist die subtilste denkbare Widerlegung des Ketzerglaubens an die Schwerkraft zu verfassen – , aber die Deutungshoheit habe ich erst dann inne, wenn ich, ohne mir überhaupt die Mühe einer Rechtfertigung machen zu müssen, widerspruchslos verkünden kann, der Wind wäre aus grünem Käse gemacht und ohne Gott gäbe es keine Moral.

Im Relativismus dagegen kennt sich niemand aus. Die reine Anarchie ist losgelassen auf die Welt, niemand weiß mehr, ob er Männlein oder Weiblein ist, und das Wahre, Gute und Schöne ist im Rahmen viel zu lockerer Gesetze der Maßgabe jedes Einzelnen anheim gestellt, der doch – seien wir ehrlich – nun wirklich keinen Schimmer davon hat. Wie katholisches.info angesichts der Tatsache, dass im Herbst sowohl Conchita Wurst als auch der Papst vor dem Europäischen Parlament auftreten werden, orakelt:

Heute scheint Europa Gefahr zu laufen, sich außerhalb des Weges zu verirren. Ein sterbender Körper, der ohne formalen Beschluß sein eigenes Ende beschlossen zu haben scheint. Ein bloßes Gerippe ohne eigene Identität, in der Völker mit Kultur, Sprache, Mentalität, Sitten und Land zu einer anonymen Bevölkerung, einer bloßen Massenansammlung zusammenhangsloser Individuen degradiert werden und die Individuen zu bindungslosen, marktgesteuerten Konsumenten.

Dies ist es, was Joseph Ratzinger mit der “Diktatur des Relativismus” meint, und es ist beinahe so schlimm wie die Diktatur derer, die das Absolute hochhalten. Nun scharren sie mit den Hufen, weil ihr althergebrachter Blödsinn durch einen neuen Blödsinn verdrängt zu werden droht. Das geht aber okay, wenn man liest, wie Gabriele Kuby, Christin und heterosexuell, mitteilt, dass sie keinen Hass kennt und keine Scheu hätte, einem Homosexuellen zuzugestehen: “You can choose to live that lifestyle”, was die Notwendigkeit der Sexualerziehung nun doch deutlicher belegt, als ihr lieb sein dürfte.

Written by recotard

12. September 2014 at 21:16

Frank Ulrich und die Todesengel

with one comment

Unter dem Titel “Ärztlich assistierter Suizid engt das Leben ein” polemisiert Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, im Tagesspiegel gegen die Sterbehilfe.

Im Kern dreht sich die Debatte um drei Fragen: Wollen wir eine organisierte Sterbehilfe? Wer soll Sterbehilfe leisten dürfen? Wo ziehen wir die Grenze zur Tötung auf Verlangen? Ich denke, in der ersten Frage besteht große Einigkeit. Wir müssen der gewerbsmäßig organisierten Sterbehilfe und den nur scheinbar altruistischen Sterbehilfevereinen das Handwerk legen. In unserer Gesellschaft darf kein Platz sein für Todesengel, die Giftcocktails reichen und damit Geschäfte machen wollen.

Nein, diese Einigkeit besteht nicht. Reizworte wie “gewerbsmäßig”, “scheinbar altruistisch”  und “Geschäfte machen wollen” verfehlen ihre Wirkung auf den Leser, dem es nicht nur einleuchtend erscheint, dass Dienstleister honoriert werden wollen, sondern den auch ein kurzer Blick in die Wikipedia belehrt:

Etwa 3.000 Ärzte hatten Schmiergelder für die Verschreibung von Ratiopharm-Produkten erhalten. Die Geschäftspraktiken der Ärzte mit Ratiopharm bezeichnete [Montgomery] als „ein ganz normales, natürliches Verhalten”

- und warum auch nicht? Andernorts erkennt Montgomery:

Eines der zentralen Probleme der gesetzlichen Krankenversicherung ist, dass man Ärzte nicht nach der individuell erbrachten Leistung bezahlt. Das kann sich lohnen, wenn ein Patient nur einmal pro Quartal erscheint. Je häufiger er aber kommt, desto weniger rechnet sich seine Behandlung.

Doch welcher Verdienst Umsatz Gewinn wäre für einen Arzt angemessen? Montgomery weiß es:

Wenn ein Arzt nach 13 Jahren Schulausbildung, sieben Jahren Studium und sieben bis acht Jahren Facharztausbildung monatlich 10 000 Euro Gewinn macht, ist das absolut vertretbar.

Ich denke, es besteht große Einigkeit, dass endlich Schluss mit dem heuchlerischen Geschwätz von “Geschäftemacherei” sein sollte. In unserer Gesellschaft darf kein Platz sein für gewerbsmäßig organisierte Funktionäre, die scheinbar altruistisch Pathos und Polemik reichen, anderen das Geschäft missgönnen und als ihr Hauptargument die Erkenntnis bieten:

Der ärztlich assistierte Suizid eröffnet nur scheinbar Freiräume, in Wirklichkeit jedoch engt er das Leben ein. Auf diejenigen, die unheilbar krank, dement oder vereinsamt sind, wüchse der gesellschaftliche Druck.

Denn wer unheilbar krank, dement oder vereinsamt ist, der hat vor allem die Sorge, dass der gesellschaftliche Druck wächst. So wispert der unheilbar Kranke mit letzter Kraft: “Lasst nicht zu, dass mich der gesellschaftliche Druck in den Tod treibt!” Und gleich neben ihm steht einer, der ruft: “Einsam wie ich bin, hält mich nur noch der gesellschaftliche Druck gegen den Suizid am Leben.” Der Demente aber fragt: “I can has Todesengel?”, denn er erinnert sich noch dunkel daran, wie oft versucht wird, mit der fixen Idee, das kultisch verehrte “Leben” wäre per se eine so wünschenswerte Sache, dass sich eine Nachfrage beim Betroffenen erübrigte, gesellschaftlichen Druck zu erzeugen.

Montgomery aber schließt seinen Artikel:

Die bessere Alternative zum schnellen Tod ist die Sicherheit einer optimalen Behandlung, eines würdigen Lebens und natürlichen Sterbens. Dafür lohnt es zu kämpfen.

Ich meine: Es lohnt sich dafür zu kämpfen, dass die gewerbsmäßig organisierte Sterbehilfe explizit erlaubt wird. Und dafür, dass der Mensch selbst entscheiden kann, was er als “würdig” ansieht – ob er nun langsam oder schnell sterben will, natürlich oder behandelt, mit oder ohne Ratiopharm.

Written by recotard

11. September 2014 at 23:39

Veröffentlicht in dessen

Tagged with

Wie es zum 2. Weltkrieg kam (und zum Mauerbau)

leave a comment »

(…) wurde durch die protestantische Irrlehre unser Volk im Glauben gespalten und hat an seiner großen Berufung in der Geschichte des Heils gefrevelt. Unermeßliche Demütigungen und Züchtigungen haben uns daher heimgesucht. Lügengeister und falsche Idole haben unser Land verführt. Schwer lastete deswegen die Hand Gottes auf uns. (katholisches.info)

 

Written by recotard

10. September 2014 at 16:41

Veröffentlicht in dessen

Tagged with

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

%d Bloggern gefällt das: