Recotard

They've got a god in the basement you can use.

Nicht alle sind Atheisten

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Auf domradio.de findet Pfarrer Gregor Giele eine neue Definition für einen alten Begriff:

domradio.de: Für uns im rheinischen Köln ist es nicht vorstellbar: Mehr als 80 Prozent der Menschen in Leipzig haben mit dem Christentum nichts oder wenig am Hut. Sind das denn alles Atheisten?

Giele: Atheisten sind wahrscheinlich nur eine sehr kleine Gruppe, mit denen wir als Christen auch gut ins Gespräch kommen können, weil sie die Frage nach Gott stellen, sie geben nur eine andere Antwort. Das heißt, wir haben denselben Fragehorizont, nur unterschiedliche Ansätze. Da kann man gut und leicht ins Gespräch kommen. Die Mehrheit sind Menschen, die die Frage nach Gott scheinbar gar nicht stellen, für die das gar kein Thema ist, wo wir nicht einmal eine gemeinsame Gesprächsgrundlage haben. Die müssen wir erst schaffen, dass sich die Menschen auch auf diese Sinnfrage, auf die Gottesfrage überhaupt einlassen. Desinteresse oder Unkenntnis sind für uns wahrscheinlich die größere Fragestellung als der Atheismus.

Wer keine Kenntnis von der Gottesfrage hat oder sich nicht dafür interessiert, ist demnach kein Atheist, und Zweck des Katholikentages wird es nicht zuletzt sein, dass sich die Menschen auf die Gottesfrage einlassen. So weit, so gut: Dass die Kirche auf diese Weise den Atheistennachwuchs fördern will, begrüße ich ebenso, wie ich ihren Schmerz darüber verstehen kann, dass die große Mehrheit sie nicht einmal mehr ernst genug nimmt, um die Gottesfrage überhaupt zu stellen. Nur dass Giele und ich den selben Fragehorizont haben, glaube ich nicht.

Written by recotard

22. Oktober 2014 at 23:55

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Die Diktatur des Wunsches, auf dem Parkplatz zu sterben

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Man wird bemerkt haben, dass meine Beiträge zum Thema Sterbehilfe immer öfter zum Zitat schrumpfen. Dies hat seine Ursache nicht zuletzt darin, dass auch ich nicht auf alle Bedenken eine Antwort weiß. So fehlen mir etwa die Worte, mit denen ich Pfarrer Frank Nico Jaeger begegnen könnte, der in seiner Predigt zur Differenzierung aufruft:

Natürlich hat die Forderung nach „einem selbstbestimmten Sterben“ ihre Berechtigung, allerdings muss man dann darüber nachdenken, dass wer diese Forderung absolut setzt, verkehrt die individuelle Freiheit aller Menschen in die Diktatur der jeweils mächtigeren Interessengruppe. Gilt der Wunsch, auf einem Parkplatz sein Leben beenden zu wollen, auch dann noch uneingeschränkt, wenn nebenan Kinder spielen?

Written by recotard

21. Oktober 2014 at 19:04

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Die Regelung

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Oliver Tolmein – jener romantische Anwalt, der unlängst eine Trivialisierung des Todes befürchtet hat – berichtet in der FAZ über die Sterbehilferegelung des US-Bundesstaates Oregon. Es ist nämlich so: Früher gab es in Oregon keine Regelung, die es Ärzten erlaubt hätte, tödliche Medikamente zu verordnen. Dann aber wurde eine solche Regelung eingeführt. Und was war die Folge?

Trotz dieser vergleichsweise strengen Anforderungen hat sich die Zahl der tödlichen Verordnungen in Oregon seit Einführung der Regelung vervielfacht.

kubin35

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20. Oktober 2014 at 23:51

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Und wieder einmal zum Thema Sterbehilfe

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Die Sterbehilfediskussion geht weiter, wird aber nicht niveauvoller. Immerhin sei lobend erwähnt, dass ausgerechnet Stefan Rehder von der katholischen Tagespost ein Hauptproblem des Positionspapiers von Hintze u.a. korrekt benennt:

So heißt es in [dem Positionspapier] unter anderem: „Die Würde des Anderen zu achten, schließt mit ein, den Anderen als einen selbstbestimmten, zu eigenverantwortlichen Entscheiden befähigten Menschen anzuerkennen und dessen Leiden abzuwenden.“ Im weiteren Verlauf heißt es dann jedoch an anderer Stelle: „Ein ärztlich assistierter Suizid kommt nur in Fällen einer irreversibel zum Tode führenden Erkrankung und einer daraus resultierenden extremen Leidenssituation in Betracht.“ Ist also der liebeskranke, insolvente, lebensmüde Mensch niemand, der zu „selbstbestimmten“ und „eigenverantwortlichen Entscheiden“ fähig ist? Und falls nicht, warum soll dann ausgerechnet jemand, der tödlich erkrankt ist und unter Schmerzen leidet, zu eben solchen sehr wohl fähig sein?

Wiewohl diese Erkenntnis Teil eines klar gegen jede Liberalisierung eintretenden Artikels ist, in dem obendrein auch schauderhafter Unfug steht, gestehe ich, mich über sie als einen kleinen Funken gesunden Menschenverstandes gefreut zu haben – wenngleich vielleicht nur deshalb, weil ich zuvor im ARD gesehen hatte, wie Franz Müntefering bei Jauch den Satz prägte:

Sterben kann gelingen.

 

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20. Oktober 2014 at 13:23

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Das Leid gehört mit dazu

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Martin Lohmann, der uns schon begegnet ist, informiert:

Jeder von uns wird einmal sterben. Ich sage noch einmal: Das Leid gehört mit dazu. Wir tun manchmal so in der öffentlichen Darstellung oder Diskussion von Sterbehilfe, als könne man sozusagen die dunkle Seite des Lebens abschaffen. Die ist manchmal tatsächlich sehr dunkel auch in den letzten Stunden, den letzten Monaten, der letzten Phase des Lebens. Aber ich bin gegen eine Unkultur des Todes und des Tötens und für eine Kultur des Lebens, und deshalb geht es darum, den Menschen nahezutreten.

 

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17. Oktober 2014 at 23:04

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Nein, diese Feministinnen!

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Gabriele Kuby in einem polnischen Vortrag (in dem sie auch wieder darauf hinweist, dass Judith Butler Jüdin und Lesbe ist, im Video ab 7:45):

Die Grundaussage [des Feminisimus] ist: Non serviam, ich will nicht dienen.
Die feministische Frau will nicht Gott dienen,
nicht dem Leben dienen,
nicht dem Mann dienen,
nicht dem Kind dienen. (ab 12:50)

 

Written by recotard

16. Oktober 2014 at 21:58

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Eine katholische Stilfigur

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Alexander Kissler führt die Sterbehilfedebatte unter dem hübschen, wenngleich vielleicht von Wunschdenken geprägten Titel “Atheisten rüsten zum Suizid” auf die Gottesfrage zurück:

Wer glaubt, dass nach dem irdischen Leben nicht alles aus ist, der will auf dem Weg zu Gericht, Gnade und Erlösung weder Dritte binden noch eine technische Abkürzung wählen. Er hofft auf ein gutes Ende und Trost auf der Etappe. Wer hingegen, wie es in einem Buch des Vorstandssprechers der Giordano-Bruno-Stiftung heißt, das „Recht auf fremde Hilfen zur Gewährleistung eines (…) vorangezogenen Todes“ aus der Ablehnung sämtlicher „bestehender Religionen“ herleitet und in der biblischen Rede vom Endgericht gar „eine Art jenseitiges Auschwitz“ erkennt, ist weltanschaulich ebenfalls Partei. Nur eben im antireligiösen Gegenüber.

Dass die Annahme, Befürworter der Sterbehilfe wären allesamt kleine Schmidt-Salomons, mehr als gewagt erscheint, sei nur am Rande vermerkt. Mich interessiert Kisslers letzter, unmittelbar auf o.a. Zitat folgender Absatz:

Ja, mit der Sterbehilfe kehrt die Gottesfrage zurück. Eine Antwort steht einstweilen aus.

Fragt Kissler nach dem Ergebnis einer weltanschaulichen Kontroverse, so sei er auf Umfragen verwiesen, nach denen sich 70 %, 58 % oder 67 % der Bundesbürger für die aktive Sterbehilfe und somit nach Kissler gegen ein Leben nach dem Tod aussprechen – Ergebnisse, die sich übrigens mit einer anderen Umfrage decken, der zufolge nur 31 % an die christliche Auferstehung glauben.

Wiewohl sie aber von einer soliden Zweidrittelmehrheit abgehakt wurde, kann Kissler als Katholik unmöglich glauben, dass die Gottesfrage per Akklamation entscheidbar wäre. Da indes die andere mögliche Antwort – eine handfeste Theophanie – ebenso wenig zu erwarten steht, vermute ich, dass Kissler, der ein Stilist ist, einfach nach einem Abschluss seines Artikels gesucht und dabei vielleicht eine Formulierung adapiert hat, die ihm letztes Jahr anlässlich des Papstrücktritts in den Sinn kam:

Ein einziges großes Bildungsprogramm war, rückblickend betrachtet, dieses Pontifikat. Der Ertrag steht noch aus.

Das Schema ist identisch. Hier wie dort wird eine wagemutige Behauptung gesetzt, der Kissler mit einem Cliffhanger dramatische Spannung verleiht. Er wünschte, es wäre so, aber da die Realität sich nicht fügt, bleibt nur die Hoffnung auf zukünftige Zeichen. Hier liegt somit eine durchaus katholische Stilfigur vor, und es tut mir leid, den Stilisten mit dem Hinweis enttäuschen zu müssen, dass die Gottesfrage voraussichtlich erst nach der nächsten Weltkatastrophe zurückkehren dürfte, wenn man sich in einer irdischen Hölle so sehr nach Gericht, Gnade und Erlösung sehnt, dass selbst die Aussicht auf das jenseitige Auschwitz noch herben Trost darstellt. Die Apokalypse steht aber noch aus.

Written by recotard

15. Oktober 2014 at 22:57

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Moraltheologe und Tabu

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Der katholische Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff warnte vor einem falschen Verständnis von Selbstbestimmung. (…) Selbsttötung müsse ein gesellschaftliches Tabu bleiben, forderte der Theologe. Wenn der assistierte Suizid gesellschaftlich anerkannt würde, ändere sich “die Entscheidungsgrundlage für alle denkbaren Lebenssituationen”. (kath.net)

Und das kann natürlich nur schlecht sein. Da die Zivilisation bekanntlich auf Tabus errichtet wurde und die Totems schon bedenklich schwanken, kann die Warnung des Moraltheologen, der auch Mitglied des Deutschen Ethikrates ist, nicht ernst genug genommen werden. Selbstbestimmung darf nicht als Bestimmung über sich selbst missverstanden werden, denn, so Schockenhoff:

Fürsorge anderer schränke Selbstbestimmung nicht ein.

Und das tut sie auch gewiss nicht, soferne aus der Fürsorge keine Forderung und kein Zwang erwächst, und aus der Frage nach Selbstbestimmung keine Antwort wie diese:

Abhängigkeit von anderen und das Angewiesensein auf Hilfe seien keine menschenunwürdige Zustände, sondern eine Grundverfassung des Menschen.

Es bleibt zwar unklar, woher das “sondern” in Schockenhoffs Satz kommt, aber klar ist immerhin, dass die Moraltheologie, die sich anmaßt, dem Menschen die Kompetenz abzusprechen, über seine eigene Situation zu urteilen, endlich zum gesellschaftlichen Tabu werden muss.

Written by recotard

13. Oktober 2014 at 08:32

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Angebot und Nachfrage

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Eugen Brysch, der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, schreibt:

Der Tod aus den Gelben Seiten darf kein Angebot werden. Denn Angebot schafft Nachfrage.

Nun könnte man Brysch darauf hinweisen, dass die Nachfrage schon jetzt besteht, da es ja andernfalls die ganze Diskussion gar nicht gäbe. Man könnte ihn auch fragen, ob er ein volkswirtschaftliches Theorem wie das Say’sche wirklich auf einen Bereich anwenden will, in dem die Existenz der Stiftung Patientenschutz schutzbedürftige Patienten erst schaffen würde. Man könnte sogar fragen, warum das Angebot überhaupt problematisch sein soll. Aber da käme man bei Brysch schlecht an, der weiß, dass die Sterbehilfe in jedem Fall ethisch falsch ist:

Egal, ob sie kommerziell oder nicht-kommerziell daher kommt. Denn das Prinzip ist ethisch falsch. Leid und menschliche Verzweiflung werden sich nie aus der Welt schaffen lassen. Menschen brauchen dann professionelle Hilfe, Nähe und Zeit.

Man sieht: Das Problem wird missverstanden. Der Tod schafft das Leid keineswegs aus der Welt, er steht nur  in den Kulissen und summt Que Sera, Sera. Deshalb besteht eine Nachfrage nach professioneller Hilfe, und deshalb fordert die Stiftung Patientenschutz auch:

Die Sozialkassen müssten 5000 Euro pro Monat zusätzlich für die letzten Lebenswochen bereitstellen. (abendblatt.de)

Wiewohl ein solches Angebot der Kassen die Nachfrage doch erst schaffen würde. Einfach ist das alles nicht.

Written by recotard

12. Oktober 2014 at 15:16

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Belgischer Realismus

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Mit spürbarer Missbilligung hält die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin fest:

Berichte aus Belgien weisen darauf hin, dass die Angehörigen von schwerkranken Patienten das Sterben zunehmend als würdelos, nutzlos und sinnlos empfinden, selbst wenn das Sterben friedlich, ohne Beschwerden und mit professioneller Unterstützung stattfinden kann. (PDF)

Written by recotard

12. Oktober 2014 at 14:10

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