Recotard

They've got a god in the basement you can use.

Offenbarung 9,6

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Die Diskussion über Sterbehilfe nimmt weiter an Konfusion zu. So meint etwa Karl Lauterbach:

“Die Menschen werden die Sterbehilfe nur dann als Fortschritt sehen, wenn wir dafür klare Kriterien formulieren.” So solle beispielsweise jede Form der kommerziellen Sterbehilfe untersagt sein, zudem müsse der Patient unheilbar krank sein, dürfe allerdings nicht unter Depressionen leiden. (pro-medienmagazin.de)

Diese Forderung scheint unklar. Meint Lauterbach, dass Depression eine unheilbare Krankheit sein kann, die aber dennoch Sterbehilfe auszuschließen hat, oder soll die Sterbehilfe unheilbar Kranken untersagt werden, die unter Depressionen leiden, weil sie unheilbar krank sind? So oder so wird kein Sarg draus, und was die Menschen “als Fortschritt sehen”, ist ohnehin durch Umfragen schon belegt: 70 % sind für die Sterbehilfe.

Im selben Beitrag rühmt eine Palliativmedizinerin die positive Entwicklung der in Palliativstationen Betreuten wie folgt:

“In der Regel relativiert sich der Sterbewunsch. Die Menschen gewöhnen sich an die Situation.”

Und nachdem sie sich an die Situation gewöhnt haben und sich ihr Sterbewunsch (gemeint ist: der Suizidwunsch) relativiert hat, sterben sie. Somit wäre also alles in Ordnung, und es bleibt nur noch auf die Konkurrenz zu schielen:

Daher kritisiert sie an Sterbehilfeorganisationen wie Exit oder Dignitas, dass diese keine weiteren Möglichkeiten aufzeigten.

Es bleibt aber unklar, wieso es Sterbehilfeorganisationen obliegen sollte, jenseits ihrer Dienstleistung “weitere Möglichkeiten” aufzuzeigen, wie etwa Metempsychose, Reinkarnation oder, natürlich, das christliche Menschenbild. Hören wir hierzu Weihbischof Losinger:

“Viele derjenigen, die eine solche Lebensendsituation, vielleicht auch unter Schmerzen, vielleicht auch unter der Situation einer demenziellen Erkrankung als nicht erträglich betrachten, sehen darüber hinweg, wie oft die ganz individuelle Lebenssituation und die existenzielle Lage eines Menschen am Lebensende doch noch einmal ganz anders ist.”

Vielleicht bereuen wir es, wenn wir uns töten. Vielleicht versteht Losinger – der im Interview gleich dreimal das “unbedingte Lebensrecht” des Sterbenden betont – den Unterschied zwischen einem Recht und einem Zwang nicht. Vielleicht zählt das Thema Sterbehilfe auch einfach zu jenen, bei denen einfach jeder alles sagen darf. Wenn Losinger fordert:

“Ein Geschäft mit dem Tod anderer Menschen darf es nicht geben”,

so muss ich ihm sagen, dass die Beschaffung von Medikamenten ebenso wenig kostenlos ist wie das Anmieten von Räumen, die Betreuung einer Website oder sonst irgend etwas auf dieser Erde, von der Hebamme bis zum Bestatter. Schön ist das gewiss nicht, aber so ist das Leben. Selbst Weihbischöfe beziehen Gehalt dafür, dass sie den Tod für ideologische Zwecke missbrauchen. Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass die FAZ noch einen weiteren Einwand weiß:

Der Suizid, den Jean Améry als einen Akt des Hand-an-sich-Legens beschrieben hat und der zugleich eine radikale, nur dem Handelnden verständliche Absage an die Gesellschaft darstellt, würde durch einen gesetzlich befürworteten assistierten Suizid zu einer auf Vertragsbasis ausgeführten medizinischen Dienstleistung trivialisiert.

Und das darf natürlich keinesfalls geschehen. Es mag zwar sein, dass der Krebskranke eigentlich gar keine Absage an die Gesellschaft formulieren will, sondern nur eine Absage an den Krebs. Es könnte freilich auch sein, dass FAZ-Autor Tolmein den von ihm zitierten Améry (“Der Freitod ist ein Privileg des Humanen”) gar nicht gelesen hat. Und vielleicht ist die Annahme, dass eine radikale Absage an die Gesellschaft nur dann nicht trivial ist, wenn man sie im Do-it-yourself-Verfahren durchführt, nicht bis ins Letzte durchdacht, und das Ideal, der Suizid – wenigstens der, wenn schon sonst nichts – dürfe nicht trivial sein, einfach nur Quatsch. Aber wartet nur! Wie sagt Offenbarung 9,6:

Und in den Tagen werden die Menschen den Tod suchen, und nicht finden; werden begehren zu sterben, und der Tod wird vor ihnen fliehen.

Written by recotard

1. September 2014 at 11:32

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Bischof Laun erkärt den Antisemitismus

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Viel ist über das Unwesen des Antisemitismus nachgedacht worden, viele Erklärungsmodelle wurden ersonnen. Ich muss gestehen: Nicht im Traum hätte ich gedacht, dass ausgerechnet Bischof Andreas Laun einen originellen Ansatz zu diesem komplexen Thema liefern würde. Doch er schließt einen längeren Artikel mit diesem Absatz:

Atheisten können den Antisemitismus eigentlich nicht wirklich verstehen, er setzt offenbar ein zwar verdrängtes, aber doch wirkliches Wissen oder Ahnen über Gott voraus. Und die wirkliche Überwindung des Antisemitismus kann letztlich nur gelingen dort, wo sich Menschen eben nicht ablehnend, sondern bejahend oder wenigstens respektvoll dem lebendigen Gott Israels und der Christen, dem Gott des alten und des neuen Volkes Gottes, zuwenden und die Pietas der Religionen achten.

Der Antisemitismus ist also ein Phänomen, dass, so der Bischof, Atheisten nicht verstehen können, denn er setzt ein Wissen oder Ahnen über Gott voraus. Deshalb ist recht verstandener Antisemitismus auf die Gläubigen beschränkt. Was aber ist der recht verstandene Antisemitismus? Der Bischof beruft sich in seinem Artikel auf Ratzingers Auschwitz-Rede, die Laun mit den Worten zusammenfasst:

Antisemitismus ist eine Form des Gotteshasses!

Und da sie die Juden deshalb hassen, weil sie Gott hassen, lässt sich der Antisemitismus nur dadurch überwinden, dass sich die Gläubigen – und dieser Gedanke mag manche verblüffen – Gott zuwenden. Und deshalb warnt Laun zu Recht:

Die vielen öffentlichen Verhöhnungen des Glaubens in Presse, Film und Theater fördern trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht nur Kirchenhass, sondern auch Antisemitismus.

Sage niemand, er hätte es nicht gewusst.

Written by recotard

31. August 2014 at 17:55

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Die großen Religionen nach Schick

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Erzbischof Ludwig Schick, befragt, ob “die mahnenden Stimmen, gerade auch der Kirchen, in der NS-Zeit, zu leise” waren, antwortet:

Alle haben zu wenig für den Frieden getan (…) Da hätten viele mehr (….) tun müssen, die Kirchen eingeschlossen. Vor allem hätte man Hitler und die Nazis verhindern müssen. (…) Man hätte die Menschen mehr für den Frieden begeistern sollen. (…) Mit der Botschaft des Evangeliums “Selig die Friedfertigen”, mit den Menschenrechten und der Menschenwürde für alle und jeden, hätte man die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs verhindern können.

Man würde das gerne glauben, wenngleich man sich die Frage stellen müsste, wieso so viele nicht mehr getan haben, um die Menschen für den Frieden zu begeistern, z.B. mit der Botschaft des Evangeliums, wo freilich nicht dazu geraten wird, Sätze tunlichst so zu formulieren, dass man unmöglich daran anecken kann. Man hätte dann aber auch verhindern müssen, dass Schick etwas sagt wie:

Wenn es nur den einen Gott gibt – das behaupten alle großen Religionen – dann ist klar: Dieser eine Gott ist der Schöpfer, Erhalter und Vollender aller Menschen und deshalb kann dieser Gott nur Frieden für alle wollen.

Hätte man in die Wikipedia geblickt, hätte man bemerkt, dass, rechnete man die Top Ten zusammen, den 3,6 Milliarden Abrahamiten immerhin 2 Milliarden Andersgläubige gegenüber stünden. (Von den 1,1 Milliarden Ungläubigen sei gar nicht geredet.) “Alle großen Religionen” behaupten demzufolge gar nichts, und man hätte nun die Wahl, ob man Schick eher Arroganz oder Ignoranz zuschreiben will, wenn er a) so tut, als gäbe es Hindus, Buddhisten u.a. nicht, und b) ein Argumentum ad populum etablieren will, das selbst dann falsch wäre, würden seine Daten stimmen. Man kann aber immerhin anerkennen, dass Schick, der sich vor drei Jahren noch scharf gegen Waffenlieferungen in Kriegsgebiete ausgesprochen hat, nun meint:

Die Lieferung von Waffen, die die Waffen der Angreifer zerstören und die Bedrohten schützen, ist möglich.

Man darf also zurückschießen, sofern man nur die Waffen trifft. Nun würde man nur noch gerne wissen, wieso der eine Gott, Schöpfer, Erhalter und Vollender aller Menschen, der stets den Frieden will und Kriege schafft, die Botschaft des Evangeliums von der selben Stimme verkünden lässt, die ihre Mission beschreibt wie folgt:

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. (Mt 10,34 ff., ähnlich: LK 12,51ff.)
 

Mission accomplished.

Written by recotard

31. August 2014 at 12:19

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Gute Frage

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Unter den Kranken fällt uns ein Mann auf, der gemessenen Schrittes im Saale auf- und abwandelt. Er hat das Eigenthümliche, daß er stets nur bis zur Hälfte desselben geht, dann scheu auf einen Winkel schaut, schnell sich umdreht und wieder abwärts schreitet, indem er vor sich hinspricht. “Ha, ha! elender Wicht, du bist mir nicht gewachsen, zum zweiten Male sollst du mich nicht verführen. Einmal hast du mich um mein Gehirn gebracht, mit deinem Saufen, weil ich dir Gesellschaft leistete, jetzt ist’s zu Ende damit…” Was will er damit sagen?

(Bruno Schön, Mittheilungen aus dem Leben Geistesgestörter, 1847)

 

Written by recotard

28. August 2014 at 20:24

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Wie der Kalk versaut ward

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Der etwa fünf Meter lange Raum ist dem Bericht zufolge gefüllt mit natürlich entstandenen Kalkablagerungen, die an Brüste oder Penisse erinnern. Offenbar ließen sich die frühen Besucher nach Einschätzung der Forscher dadurch zu ihren Gravuren inspirieren. Womöglich hätten die Menschen in der Höhle einen Ort der Lust gesehen und inmitten der anatomischen Auffälligkeiten Fruchtbarkeitsfeste gefeiert, sagte der Geologe und Archäologe Bernhard Häck der “Zeit”. Er beschrieb die Höhle als einen “Ort voller Magie”. (msn.com)

Ungezählte Jahrtausende lang lagert der Kalk sich ab und denkt an nichts Böses. Doch dann kommt der Urmensch: Hey, der Kalk sieht ja aus wie Titten! Prompt wird er geil, ritzt noch einen Körper drumherum und beginnt Fruchtbarkeitsfeste zu feiern, bis die Schwarte kracht. 12.000 Jahre später aber steht der Forscher in der Höhle und denkt sich ergriffen: Wow, voller Magie!

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10. August 2014 at 18:59

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Kauder: Die existenzielle Herausforderung

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Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) kritisierte unterdessen den evangelischen Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider wegen dessen Position zur assistierten Selbsttötung kritisiert. „Es ist wenig hilfreich, wenn der EKD-Ratsvorsitzende als Betroffener zu dieser existenziellen Herausforderung Interviews gibt“, sagte Kauder der Leipziger Volkszeitung vom Montag. (aerzteblatt.de)

Es reicht ja wirklich aus, wenn Nichtbetroffene wie etwa Herr Kauder zu einer existenziellen Herausforderung Interviews geben. Die Betroffenen mögen doch bitte die Schnauze halten und Herrn Kauder zuhören, der genau weiß, für welche existenziellen Herausforderungen die Liebe nicht ausreicht.

Written by recotard

4. August 2014 at 09:38

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Bei allem Respekt vor der Liebe: Geschenkt!

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Volker Kauder weiß Bescheid:

„Das Leben ist in jeder seiner Stufen und in all seinen Formen, die Gott geschenkt hat, lebenswert.“  (pro-medienmagazin.de)

Hätte Kauder diese Aussage als Werturteil gemeint, müsste man ihn ob seiner Naivität bedauern, er stellt aber natürlich einen Imperativ auf:

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hatte erklärt, dass er seine an Krebs erkrankte Frau im Zweifelsfall aus Liebe in die Schweiz zum Sterben begleiten würde. Kauder sagte dazu: „Bei allem Respekt vor der Liebe muss ich sagen: Das reicht nach meiner Auffassung nicht aus. (…) Das Geschenk des Lebens kann man nicht zurückgeben.”

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Liebe Schneiders: Ihre Liebe reicht nicht aus. Das Geschenk des Krebses kann man nicht zurückgeben: Er ist in jeder seiner Stufen und in all seinen Formen, die Gott geschenkt hat, lebenswert. (Bei allem Respekt vor der Liebe!) Und als wollte er sich vollends ad absurdum führen, greift Kauder auch noch auf Paulus zurück:

Aus Galater 5 zitierte Kauder „Gott hat die Menschen zur Freiheit befreit“ und fragte: „Gilt das nicht auch am Schluss?“

Die Freiheit besteht aber nicht etwa in der Verfügungsgewalt über das eigene Leben, sondern darin, auf einem ungewollten Geschenk sitzen bleiben zu müssen. Das gilt auch am Schluss, kurz bevor Gott sein Geschenk wieder abholt. Aber bei allem Respekt vor der Liebe müsste Kauder doch sagen, dass Paulus etwas falsch verstanden hat, als er im Galaterbrief schrieb:

Ihr aber, liebe Brüder, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern.

Durch die Liebe, Herr Kauder. Gilt das nicht auch am Schluss? Oder wollen Sie nach der Freiheit auch die Liebe in ihr Gegenteil umdefinieren? Nur nebenbei sei bemerkt, dass der Galaterbrief nicht von der Freiheit an und für sich handelt, sondern sich gegen judenchristliche “Irrlehrer” wendet, die Paulus’ Schäfchen zur Beschneidung überreden wollen. Wir tun gut daran, uns in diesem Zusammenhang daran zu erinnern, wie Sie vor zwei Jahren für die Beschneidung eingetreten sind, wiewohl das Baby doch keineswegs die Freiheit besitzt, diesem Ritual zuzustimmen. (Gilt die Freiheit nicht auch am Anfang?)

“Wir wollen das organisierte Helfen zum Sterben verbieten.”

Wir wollen Freiheitsrechte unter Berufung auf die Berufung zur Freiheit einschränken, weil Gott. Da müssen wir dann wohl durch. Aber Sie können, Herr Kauder,  bei allem Respekt von Glück reden, dass ich nie Interviews gegeben habe: Würden Sie sich ein Urteil darüber anmaßen, ob und wofür meine Liebe ausreicht, könnte es unschön werden.

Written by recotard

3. August 2014 at 16:39

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Das Recht auf den eigenen Tod

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Der Staat, der doch sonst so rührend um uns besorgt ist, versagt in einem unmöglich zu überschätzenden Punkt: Will ich meine Rute ins Wasser hängen, so muss ich zur Behörde pilgern und sogar eine Prüfung absolvieren. Will ich aber meinen Penis in eine Vagina stecken, kümmert sich kein Amt darum, und sollte es mir gelingen, ein paar Minuten nicht aus dem Bett zu fallen, während sowohl ich als auch meine Partnerin zu dämlich sind, um zu verhüten, dann entsteht womöglich noch ein Blag.

Ist aber dieses Laissez-faire der Legislative für sich genommen schlimm genug, wird es ganz und gar unerträglich, wenn der Staat dem Leben, dessen Beginn er so ignorant, ja kupplerisch zugelassen hat, am Ende mit einem ethischen Umhängebart entgegentritt und sich, wiewohl Suizid doch legal ist, mit moralischem Gestus zum Herrn über Leben und Tod macht, indem er dem Staatsbürger erklärt, er müsse leben oder eben in Eigenregie Rohrreiniger trinken bzw. als vorangegangene Verkehrsbehinderung Lokführer traumatisieren; über Ausnahmen denkt man gnadenhalber für den Fall nach, dass der Betroffene ohnehin schon fast tot ist.

Im Hintergrund des Diskurses ragt wolkenverhangen die alte Idee, das Leben wäre heilig oder jedenfalls höchst wünschenswert (Gott, Renten, Menschenwürde). Und das kann man natürlich (Meinungsfreiheit) so sehen und dafür werben. Man kann aber auch – und dies ist kein Widerspruch – sagen: Es ist nicht Aufgabe des Staates, seinen Bürgern weltanschaulich zu kommen, sondern unter Gewährung größtmöglicher Freiheit als ihr Dienstleister zu fungieren.

Um es unmissverständlich zu sagen: Man treibe – ich bin dafür – den Ausbau der Palliativversorgung und psychologischer Dienstleistungen voran. Man würdige und bezahle das Pflegepersonal den Sonntagsreden gemäß. Man mache den Menschen glaubhaft, dass sie nicht nur dazu auf der Welt sind, dem Wind nachzuhaschen und auf die Altersarmut zu warten. Man gestalte die Welt so lebenswert wie möglich.

Man gestehe als Staat seinen Bürgern aber auch das Recht auf den eigenen Tod zu und erweise sich als Dienstleister würdig, indem man Mittel und Wege für einen effektiven Suizid bereitstellt oder zumindest entsprechende private Angebote nicht verbietet, sondern fördert. (Verlangen diese Geld dafür, ist die Entrüstung zu vertagen, bis die Ärzte aufhören, Geld von der Krankenkasse anzunehmen, und die Bestatter gratis schaufeln.)

Die anmaßende Idee einer Prüfung des Suizidenten, ob er denn auch wirklich unheilbar krank ist (womit dem Bittsteller sein Tod erst recht wieder aus der Hand genommen wird), hat zu entfallen: Das steht dem Staat nicht zu. Wer als unbeschränkt geschäftsfähig gilt – also weder minderjährig noch entmündigt oder dement ist – , erhalte Zugang zu diesen Angeboten. Maßnahmen zur Abfederung von Missbräuchen, etwa eine obligatorische Wartefrist und ein ebensolches Beratungsgespräch, wären zu überlegen, wenngleich immer im Bewusstsein, dass jede gewährte Freiheit Risiken birgt.

Wem aber angesichts dieser Vorschläge graut, der sei zumindest konsequent genug, das Zeugen von Kindern nur gegen Vorlage eines Eignungsnachweises zu gestatten.

Written by recotard

31. Juli 2014 at 19:18

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Jesus Loves Me

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Andy’s Gang war eine Kindersendung, die von 1955 bis 1960 lief. Nichts für schwache Gemüter!

(via christiannightmares.tumblr.com)

 

Written by recotard

19. Juli 2014 at 16:37

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Ohne Gott keine Moral

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Oft habe ich mir vorgenommen, in Ruhe zu erwägen, welches christliche Argument wohl das dämlichste ist: Eine diffizile Frage, da diese Argumente in allen Farben und Geschmacksrichtungen auftreten. Man vergleiche etwa den Abgrund, der aus der Frage “Wenn du nicht an Gott glaubst, warum redest du dann dauernd über ihn?” gähnt, mit dem kuhwarmen Ansatz “Du musst doch nur in die Augen eines Hündchens sehen” oder den Eishöhlen, in denen der Spaemann wohnt. Da ich aber die Fülle der Anregungen vor meiner Rente kaum bewältigen können werde, lasse ich vorerst das Herz sprechen und nominiere Gregor Gysi:

„Ohne Gott und Kirche gibt es keine Moral in der Gesellschaft“, betonte der Politiker (merkur-online.de)

und ich nehme zur Kenntnis, dass Gysi es nur der Existenz Gottes und der Kirche zuschreibt, dass er nicht raubend, mordend und vergewaltigend durch Berlin tobt. Hätte er es nicht vom Berg Sinai, käme er nicht auf die Idee, dass es nicht gut ist, seines Nächsten Gut zu begehren, und hätte die Bibel irrtümlich die Weisung ausgelassen, Ehebrecherinnen zu steinigen, wer weiß, was er dann triebe.

Wer solche Aussagen trifft, hat die Ratio in den Wind geworfen. Er besitzt keine Moral, sondern folgt lediglich Befehlen, und da noch nicht einmal allen. Mit so jemandem legt man sich nicht an, denn man kann nie wissen, wie er reagieren wird. Man bleibt auf der anderen Straßenseite und dankt nur dem Allmächtigen, dass er durch seine Existenz den Gysi irgendwie im Zaum hält, der ja auch so schon beunruhigend genug ist, aber ohne Gott komplett zur Geißel der Menschheit würde.

Ach nein, halt: Laut eigener Aussage glaubt Gysi nicht an Gott.

 

Written by recotard

17. Juli 2014 at 15:30

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