Recotard

Die Reste aller möglichen Welten

Unklarheit über die Funktion des Bösen

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Dass der vatikanische Chefexorzist Gabriele Amorth der offiziellen Darstellung widerspricht und meint, der Papst hätte am Pfingstsonntag sehr wohl einen Exorzismus vollzogen, überrascht nicht. Was aber überrascht, ist seine Erklärung des Sachverhaltes:

“Es handelt sich um eine Rache des Teufels gegen die mexikanischen Bischöfe, da sie sich der Abtreibung nicht widersetzt hatten, wie sie dies hätten tun sollen.”

Sind Teufel nicht böse? Sind Abtreibungen nicht böse? Sollten Teufel folglich nicht Abtreibungen fördern, wo es nur geht? Ich bin verwirrt. Aber wie sagt der Papst?

“Der Herr befreie uns von der Versuchung des gesunden Menschenverstands.”

Geschrieben von recotard

22. Mai 2013 um 19:16

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Die Schreckensherrschaft des Dr. Ratzinger

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Papst Benedikt XVI. hat mit seiner Rücktrittserklärung ein “Eingeständnis seiner eigenen Schwäche und seiner Grenzen” gemacht, welches aber erst ermöglichte, “dass der Geist Gottes wirken konnte” und es zu Erneuerungsschritten in der Kirche kam: Das betonte Christoph Kardinal Schönborn

und kath.net gibt es wieder, ohne etwas an der Mitteilung bedenkenswert zu finden, dass der Geist Gottes zuvor durch Herrn Ratzinger daran gehindert worden war, wirken zu können. Unter Benedikt nämlich waren die Herzen verschlossen gewesen und man hatte nicht gewagt, offen zu reden:

Benedikt XVI. habe vor drei Monaten etwas ausgelöst, in dessen Folge sich bei vielen in der Kirche die Herzen öffneten. So sei es möglich geworden, dass beim Vorkonklave in der Synodenaula sehr offen gesprochen werden konnte.

Selbst dem Atheisten fällt es schwer, sich das Terrorregime auszumalen, mit dem der hochgradige Intellektuelle seine Untertanen unterdrückt haben muss.

Geschrieben von recotard

21. Mai 2013 um 09:44

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Der geistige Genozid

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Tausende von orthodoxen Priestern protestierten in der georgischen Hauptstadt gegen eine Kundgebung von Homosexuellen (…) Die Priester trugen Transparente mit den Aufschriften „Nein zum geistigen Genozid“ (…) Am Mittwoch hatte Ilia II., der Patriarch der georgisch-orthodoxen Kirche Homosexuelle mit Drogenabhängigen verglichen. Öffentliche Kundgebungen von Homosexuellen bezeichnete er als „Verletzung der Rechte Gottes und der Mehrheit“ der Georgier. (katholisches.info)

Die Website bringt dies – ebenso wie die Information, dass junge Männer Eier und Steine auf “Homo-Demonstranten” warfen und dass drei Polizisten und neun Demonstranten verletzt wurden – übrigens unter dem Titel Georgien gegen Homo-Propaganda, versäumt es aber leider, den einschlägigen Weihbischof zu zitieren, der bekanntlich fordert,

(…) die Homosexuellen sollten aufhören, allen anderen einreden zu wollen, sie, die Homosexuellen, wären benachteiligt und sie sollten auch aufhören mit so mancher mimosenhaften Reaktion. (Andreas Laun)

Geschrieben von recotard

21. Mai 2013 um 00:44

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Jeder zweite Deutsche

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Zur welt.de-Schlagzeile

Jeder zweite Westdeutsche glaubt an Wunder

kommt die idea.de-Schlagzeile

 Fast jeder zweite Deutsche vertraut Geistlichen

Im Vergleich zum Vorjahr (37 %) konnten die Geistlichen somit kräftig aufholen. Der Mißbrauchsskandal wurde durch den neuen Papst verdrängt, der uns ermahnt,

mit Hilfe der Gottesmutter immer „Schafe“ zu bleiben, „da wir so unseren Hirten haben, und wenn wir Schafe sind, so sind wir sanftmütig und demütig“. (kath.net)

Dem Bericht zufolge vertrauen Deutschen der Berufsgruppe der Geistlichen mit 48 % fast so sehr wie Landwirten (74 %), Meteorologen (61 %), Taxifahrern (57 %) und Rechtsanwälten (52 %). Weit abgeschlagen: Journalisten (29 %).

Geschrieben von recotard

20. Mai 2013 um 22:47

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Babel mitten unter uns

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Bischof Algermissen (…) wies seine Zuhörer deutlich daraufhin, dass “Babel mitten unter uns sei”.  (…) Die Bibel wolle mit dieser Geschichte nicht die Linguistik ersetzen und die Entstehung der Sprachen erklären. Es gehe vielmehr um die Frage: „Warum verstehen die Menschen einander nicht? Woher ihre Zerrissenheit, Uneinigkeit und Friedlosigkeit?” Die Antwort sei: „Ursache ist die Überheblichkeit des Menschen, der sich an die Stelle Gottes setzen möchte, der Abfall von Gott”, hob Algermissen hervor. (osthessen-news.de)

Der Bischof, der dies im Kontext der Embryonenforschung sieht, irrt. Schlag nach bei Moses:

Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Da sie nun zogen gen Morgen, fanden sie ein ebenes Land im Lande Sinear, und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, laß uns Ziegel streichen und brennen! und nahmen Ziegel zu Stein und Erdharz zu Kalk und sprachen: Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, des Spitze bis an den Himmel reiche, daß wir uns einen Namen machen! denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder.
Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und haben das angefangen zu tun; sie werden nicht ablassen von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, laßt uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, daß keiner des andern Sprache verstehe! Also zerstreute sie der HERR von dort alle Länder, daß sie mußten aufhören die Stadt zu bauen. (Gen 11, 1-8)

Das ist doch eigentlich nicht misszuverstehen. Die Menschen haben sich zusammengefunden und ziehen an einem Strang, damit sie nicht zerstreut werden in alle Länder, der HERR aber verwirrt ihre Sprache und zerstreut sie justament in alle Länder: Zerrissenheit, Uneinigkeit und Friedlosigkeit kehren ein. Hätte er sich nicht eingemischt, hätten die Menschen ihren Turm fertiggebaut und säßen bis heute einig und friedlich in Babylon. Warum aber tut der HERR dies? Algermissen erklärt:

Der Turm zu Babel, ein Stufenturm, sei ausgegraben worden; er habe eine Grundfläche von 90 mal 90 Metern gehabt und sei 90 Meter hoch gewesen. „Er war aufgebaut in sieben Stockwerken, die sich nach oben verjüngten; das oberste schloss das Heiligtum einer Mondgöttin ein: verständlich, dass die Israeliten in der babylonischen Gefangenschaft im Turm von Babel den Inbegriff des Götzendienstes sahen und das Symbol einer von Gott abgewandten Welt.”

Genau so ist es: Die Geschichte vom Turmbau spiegelt die feuchten Träume der gefangenen Israeliten wider, dass ihr Gott die Babylonier aufs Haupt schlagen möge, die es sich dreisterweise leisten, ihren Göttern Luxustürme zu errichten, während Jehovahs eigenes Häuflein, wenn es nicht eben versklavt ist, jahrhundertelang durch die Wüste watschelt und seinem Gott so wenig zu bieten hat, dass der ein paar Kapitel weiter (Genesis 17) auf die Idee mit der Vorhaut verfällt. Nicht die “Überheblichkeit des Menschen, der sich an die Stelle Gottes setzen möchte”, ist Anlass für die Sprachenverwirrung, sondern Konkurrenzneid des abrahamitischen Cholerikers.

Wir danken dem Bischof für seine Freimütigkeit und möchten nur noch darauf hinweisen, dass der Begriff “Götzendienst” gar nicht passt, da Herodot ausdrücklich schreibt “Kein Götterbild findet man dort aufgestellt”, und dass mit der Mondgöttin eine Verwechslung vorliegt, da der Etemenanki dem babylonischen Hauptgott Marduk geweiht war, einem der schärfsten Mitbewerber Jehovahs. Aber sonst stimmt alles.

Geschrieben von recotard

19. Mai 2013 um 22:22

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Warum wir Kinder kriegen sollen

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Auf welt.de ruft Emil Rennert “Werdet endlich mutig und bekommt Kinder!” Wir erfahren also, dass es Mut bedarf, Kinder in die Welt zu setzen. Und warum sollen wir das tun? Nun, da ist zunächst einmal die Sinn- und Antriebsfrage:

Kinder bringen nicht nur Glück, Liebe und Lebenssinn, sondern sie treiben ihre Eltern an und sind oft der beste Gradmesser echter Produktivität.

Gewiss halten sich Leute ja auch Hunde nicht nur zum Knuddeln, sondern um sich selbst zum täglichen Auslauf anzutreiben. Aber Produktivität? Ja! Denn

was nützt unser Reichtum und unser Besitz, wenn es am Ende keine Erben gibt? Wofür rackern wir uns denn ab, wenn kein Nachkomme die Früchte unserer Arbeit je wird ernten können?

Der Gedanke, man könnte die Früchte seiner Arbeit selbst ernten, kommt Rennert ebensowenig in den Sinn, wie die Armen und Besitzlosen in seinem Aufruf figurieren, der sich an den Narzissmus der “in schicken aber zugleich trostlosen Singlewohnungen oder in ewig-jugendlichen Großstadt-WGs” Lebenden wendet, ihn aber mit dem gattungseigenen Narzissmus verwechselt und deshalb glaubt, ihn mit mystischem Geraune beeindrucken zu können:

Unsere Gattung hat sich über tausende Jahre hindurch entwickelt. Wer sich jedoch der eigenen Fortpflanzung versagt, versagt sich auch der Zukunft der Welt,

die alles in allem vielleicht besser dran wäre, tummelte sich Getier in den Ruinen jener Zivilisation, die sich in anthropozentrischem Größenwahn für die Welt selbst hielt,

der Vergangenheit unserer Ahnen und tut nicht zuletzt auch den eigenen Eltern Unrecht.

Ja, der Ahnenkult beherrscht unsere Gattung nach tausenden Jahren Entwicklung immer noch, ebenso wie die schuldbewusste Angst vor den Eltern, zu deren Ebenbildern sie ihre Götter geformt hat, die vor der noch größeren Angst vor dem Nichts schützen sollen:

Über kurz oder lang wird zwar fast jeder Mensch einmal vergessen werden. Aber in der Erinnerung leben unsere Eltern und Großeltern weiter. Und wer keine Nachfahren in die Welt setzt, läuft selbst Gefahr, eher früher als später in Vergessenheit zu geraten.

Man sieht: Auch die Toten sind Kränkungen ausgesetzt, und so führt ein direkter Weg vom Ahnenkult zu den monotheistischen Narzissmusmechanismen, als deren Fürsprecher sich Rennert erweist, wenn er Genesis und Thora zitiert und grundsätzlich meint,

gerade die modernen, studierten und säkularen Intellektuellen könnten sich von den religiösen Menschen etwas abschauen. Zumindest was den Nachwuchs betrifft, sind in den meisten Religionen – ganz gleich ob christlich, jüdisch oder muslimisch – die Frommen oft eher bereit, eine kinderreiche Familie aufzubauen.

Ich würde Rennert ja fragen, was seine Einschränkung “zumindest was den Nachwuchs betrifft” bedeutet, wenn es darum geht, eine kinderreiche Familie aufzubauen, aber ich erwarte von jemandem keine befriedigende Antwort, der den logischen Schluß wagt:

Wenn schon Arbeit und Wohnortwechsel heutzutage weniger planbar geworden sind, dann sollte wenigstens die Familienplanung möglichst früh in Angriff genommen werden.

Das lasse ich jetzt so stehen. Vielleicht erscheint es manchem Leser unbefriedigend, aber mich lässt die Erinnerung an den Schuster in Canettis Blendung nicht los, der den Wert früher Ehen mit der ewigen Weisheit des Volkes beschreibt:

»Liegen die Kinder erst beieinander, no so kommen auch gleich die Enkel. Jetzt schaun Sie, daß die Enkel auch bald heiraten, das gibt dann Urenkel.«

So ist das und deshalb soll es auch so sein und hat an sich selbst genug; man mag es womöglich “Naturrecht” nennen. Mit Rennerts Rationalisierungen dürfte man dem Schuster nicht kommen, wenngleich er wohl seinem letzten Satz zustimmen würde:

Seid mutig, findet jemanden, heiratet (oder meinetwegen: verpartnert euch) – und die Kinder kommen dann hoffentlich von selbst.

Und dann kommen auch gleich die Enkel, zumindest was den Nachwuchs betrifft. Ob sich unsere Gattung freilich bis dahin so weit entwickelt hat, ihr verbrecherisches Narrentreiben – Rennert hat einen Teil davon in einem Dokumentarfilm Eine verschwundene Welt – die Geschichte des jüdischen Radautz thematisiert – zu beenden, muss bezweifelt werden.

Geschrieben von recotard

28. April 2013 um 23:03

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Die Rückkehr der leidenden Reichen

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Ulf Poschardt fühlt mit den armen Reichen, die so ganz allein auf weiter Flur stehen:

Die Reichen und Erfolgreichen haben keine Lobby, und die Vertreter aus ihren Reihen, die sie repräsentieren, sind oft genug Totalausfälle.

Daran sind sicher die Loserlobbies schuld.

Geschrieben von recotard

22. April 2013 um 17:44

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